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Quallen und Gaswolken

Dieser Band kontrastiert Fotos aus dem All mit solchen aus der Tiefsee und arbeitet heraus, was beide Welten gemeinsam haben.

Wie und wann das Leben auf der Erde startete, wissen wir nicht genau. Einige Forscher nehmen an, der Beginn sei vor etwa 3,5 Milliarden Jahren in der Tiefsee zu suchen. Falls ja, könnte auch Wasser auf anderen Himmelskörpern auf die Existenz dortiger Lebewesen hinweisen. So betrachtet, erscheint es folgerichtig, dass dieser Band den Kosmos und die Tiefsee behandelt – zwei große Unbekannte, die sich nur schwer erschließen lassen.

»Spuren der Sterne« ist Fachbuch und Bildband zugleich, denn seine großformatigen Bilder, viele von der Nasa, wechseln sich mit wissenschaftsbasierten Texten ab, die deutlich länger sind als bei gewöhnlichen Bildbänden. In den sechs Kapiteln »Die Ursprünge des Lebens«, »Ist da wer?«, »Aliens aus der Tiefe«, »Roboter auf dem Vormarsch«, »Wem gehört der Mond?« und »Seemannsgarn und Sternenkrieger« nebst Einleitung und Glossar erzählen die Autoren unter anderem von der Entstehung des Lebens, von der Suche nach demselben, von ungewöhnlichen Lebensformen sowie Robotern, die bei der Erkundung der Tiefsee und des Universums helfen. Außerdem gehen sie auf die Sciencefiction ein und stellen fest, dass fremdartig erscheinende Tiefseegeschöpfe oft als Vorlage für fiktive außerirdische Lebensformen dien(t)en: Scifi-Aliens tragen häufig Züge von Kraken und Kalmaren.

0,000033 Prozent sind erforscht

Die Tiefsee ist der größte Lebensraum der Erde, aber weit gehend unerforscht. Von den rund 300 Millionen Quadratkilometern Tiefseeboden ist bislang nur auf 100 Quadratkilometern die Lebenswelt erkundet – ein verschwindend kleiner Anteil. Es könnte da unten Millionen unbekannter Arten geben, wie die Autoren darlegen. Ganz ähnlich ist auch das Weltall zum größten Teil unbekannt.

Autorin Ute Wilhelmsen ist Journalistin und Meeresbiologin, arbeitet seit 18 Jahren am Forschungszentrum DESY in Hamburg und hat dort die Astrophysik für sich entdeckt. Aus ihrer Feder stammen mehrere populärwissenschaftliche Bücher rund um Meer und Küste. Autor Till Mundzeck, Journalist und Physiker, ist seit 2012 ebenfalls beim DESY. Beide ergänzen sich mit ihren verschiedenen Disziplinen sehr gut. In dem Band stellen sie unter anderem bizarre Tiefseeorganismen und kosmische Erscheinungen einander gegenüber. Da erscheint eine leuchtend rote Tiefsee-Rippenqualle neben einer roten Gaswolke aus dem All, oder eine blaue Strahlenqualle neben der bläulichen Wagenradgalaxie, die das Ergebnis eines kosmischen Crashs ist. Leuchtende Tiefsee-Tintenfische mit ihren großen Augen sehen aus wie Extraterrestrische, und ein Ausschnitt aus dem Schleiernebel ähnelt einer Gruppe leuchtender Salpen – gelatinöser Meerestiere, die häufig Kolonien bilden.

In tausenden Meter Meerestiefe, so die Botschaft, gedeiht üppiges Leben, was erst seit wenigen Jahrzehnten bekannt ist. Noch vor 200 Jahren galt die Tiefsee als vollkommen unbelebt. Die Autoren spekulieren, dass es ganz ähnlich auch im Kosmos außerirdisches Leben gibt, das bisher noch nicht gefunden wurde. Ozeane werden etwa unter den Eisdecken der Jupitermonde Europa, Kallisto und Ganymed vermutet und somit auch außerirdisches Leben in unserem Sonnensystem.

Stehen wir wir mit der Weltraumforschung heute dort, wo die Tiefseeforschung vor 200 Jahren war, fragen sich die Autoren. Vielleicht sind die Messtechniken und Robotersysteme noch nicht ausgereift genug, um im All Spuren von Leben zu finden. Mittlerweile arbeiten Meeres- und Raumfahrtexperten sogar gemeinsam an Fahrzeugen, die sich selbstständig am Meeresboden oder auf anderen Planeten fortbewegen können, denn beide Orte bieten ähnliche technische Herausforderungen. Auch negative Spuren der Zivilisation gibt es in beiden Räumen: Im Erdorbit kreist Weltraumschrott, der Satelliten und die Internationale Raumstation gefährdet; und auf dem Tiefseeboden sammelt sich Plastikmüll, der biologisch nicht abgebaut wird. Das Buch mit seinen atemberaubenden Fotografien ist erhellend und äußerst faszinierend zugleich. Es macht Lust auf Tiefsee- und Weltraumforschung und eignet sich für Leser, die Freude an kunstvollen Bildern haben und neugierig auf das Unbekannte sind.

19/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19/2018

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