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Motor für Spitzenleistungen

Weniger Stress – das wünschen sich viele Deutsche. Doch Urs Willmann, Redakteur bei der "Zeit", behauptet in seinem neuen Buch, Stress sei das Beste, was uns im Leben passieren könne. Denn dieser halte uns fit, wach und schlank.

Wie so oft macht die Dosis das Gift. Akuter Stress, wie wir ihn etwa in einer Prüfung erleben, ist sinnvoll. Die im Körper ablaufende Stressreaktion schärft die Sinne, steigert die Konzentration und treibt zu Höchstleistungen an. Zu Zeiten, als wir noch Felle trugen und als Jäger und Gejagte lebten, war das sogar überlebenswichtig. Heutzutage strapazieren allerdings viele das körpereigene Hochleistungssystem über, glaubt der Autor. Bei lang andauernder Belastung riskiere man, das Immunsystem zu schwächen, seine Leistungsfähigkeit zu mindern und Depressionen zu entwickeln.

In seinem Buch konzentriert sich Willmann jedoch vor allem auf die positiven Wirkungen von kurzzeitigem Stress. Dieser stärke beispielsweise das Immunsystem und beschleunige die Wundheilung. Er macht dem Leser zunächst klar, wie sinnvoll Stress manchmal ist (etwa bei Lampenfieber), bevor er erklärt, was dabei im Körper passiert. Es kommen nicht nur Wissenschaftler zu Wort, sondern auch Menschen, die immer wieder aktiv belastende Situationen suchen – für den Kick. Außerdem berichtet Willmann über viele eigene Erlebnisse. So setze er sich freiwillig einem Stresstest aus, bei dem er unter anderem kopfrechnen und seinen Arm in Eiswasser tauchen musste.

Fast jedes Kapitel beginnt ähnlich wie eine Repor­tage mitten in einer Szene, etwa in dem Moment, in dem der Autor aufwacht und merkt, dass er verschlafen hat und gleich zu einem Interviewtermin muss. An diesem und anderen Beispielen erläutert er dann, wie Stress die Reaktionen in der jeweiligen Situation lenkt: So ist er schlagartig hellwach, Blutdruck und Puls steigen – was dem Körper hilft, in solchen Situationen Energie zu mobilisieren.

Dank des beschwingten Schreibstils ist das Buch leicht lesbar. Gelegentlich muss man sich allerdings ein wenig gedulden, bis ein Sachverhalt vollständig erläutert wird. So erfährt man erst nach 150 Seiten, dass Angst und Stress untrennbar miteinander verbunden sind – und stört sich möglicherweise bis dahin an der ständigen Durchmischung der Begriffe.

Willmann gelingt es, das Image von Stress aufzupolieren. Er macht deutlich, warum dieser sinnvoll und nicht per se gesundheitsschädlich ist. Indem wir an die positive Kraft von Stress glauben, beugen wir seiner schädlichen Langzeitwirkung vor. So zeigten stark belastete Menschen ein höheres Risiko, frühzeitig zu sterben – jedoch nur, wenn sie auch davon überzeugt waren, Stress sei schädlich. Diejenigen, die viel Stress hatten, ihn aber für unbedenklich hielten, wiesen das niedrigste Sterberisiko auf – sogar geringer als Menschen mit wenig Stress im Leben. Deshalb sollten wir in der nächsten Stresssituation den Angstschweiß und die zittrige Stimme willkommen heißen und sie als das sehen, was sie sind: Symptome einer Reaktion, die uns dabei hilft, das Leben besser zu bewältigen.

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