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Tierisch viel Arbeit

Der Zoologe David Bainbridge zeigt, wie Menschen im Lauf der Jahrhunderte Ordnungssysteme für Tiere geschaffen haben. Angefangen haben sie damit schon lange vor Charles Darwin.

Schätzungsweise eineinhalb Millionen Tierarten kennt der Mensch bislang, ausgestorbene noch nicht mitgezählt. Sie alle – oder auch nur Teile davon – zu ordnen, erweist sich als Mammutaufgabe.

Abgeschreckt hat das Naturforscher über die Jahrhunderte keineswegs, wie der britische Zoologe und Veterinäranatom David Bainbridge von der University of Cambridge zeigt. Sein Buch zeichnet die Anfänge der Taxonomie in der Antike bis hin zu modernen Klassifikationsmethoden im Bereich der Genetik nach und spart dabei nicht an eindrucksvollen Bildbeispielen.

Eine Fülle an Informationen, verpackt in visuell beeindruckenden Bildern

Schon lange vor dem Zoologen Ernst Haeckel (1834–1919) haben Menschen die Fauna kunstvoll dargestellt – auch wenn heute unklar ist, wer beispielsweise um das Jahr 1200 das »Aberdeen Bestiary« schuf, das laut dem Autor das womöglich visuell spektakulärste mittelalterliche Bestiarium ist. Natürlich stand in dieser Zeit der christliche Glaube im Vordergrund der Darstellungen. So spielte weniger die Existenz der Tiere eine Rolle als die Frage, was sie über Gott aussagten. In den damals unbekannten Regionen der Welt außerhalb der Kontinente Afrika, Asien und Europa vermuteten die Künstler sogar Furcht erregende Geschöpfe wie hundeköpfige Menschen, die den Gläubigen Angst einjagen sollten.

Erst mit der Renaissance wichen die religiösen allmählich objektiveren Versuchen der Klassifizierung, was anhand der einzeln vorgestellten Künstler dieser Epoche auch gut deutlich wird. Besonders interessant ist die Beschreibung über das Werk der Naturforscherin und Malerin Maria Merian. Merian, aus einer Frankfurter Künstlerfamilie stammend, unternahm 1699 eine Reise nach Surinam, wo sie sich in den tropischen Regenwäldern der Insektenkunde widmete.

So spannend diese biografischen Angaben einzelner Künstler und Künstlerinnen sind, bleiben sie doch relativ kurz im Vergleich zu den Zeichnungen, die einen Großteil des Buchs ausmachen. Das ist angesichts der Fülle an Tierarten und Ordnungsversuchen verständlich, zumal die meisten visuellen Darstellungen in ihrer Detail- und Farbenfreude sehr ansprechend sind. Und oft auch lehrreich, wenn die Forscher etwa Arten wie den »Albin's Macaw« (Albins Papagei) abbilden, der tatsächlich nur durch dieses eine Bild bekannt und höchstwahrscheinlich ausgestorben ist; komisch wie ein Tableau von Aristide Michel Perrot, auf dem Saurier und Elefanten zur selben Zeit existieren; oder schockierend wie der Polygenismus des Arztes Josiah Nott, mit dem er im 19. Jahrhundert versuchte, die Sklaverei zu rechtfertigen.

Die Vielfalt, die im Tierreich herrscht, spiegelt das Buch wider. Teilweise wirkt das ein wenig erschlagend, gerade im hinteren Teil, der sich mit moderneren naturwissenschaftlichen Darstellungen befasst. Nicht jeder wird aus den »Farbzeichnungen der Zelllinien des Schwanzes von Caenorhabditis elegans« schlau. Trotzdem lässt sich das Buch für alle empfehlen, die mehr über die Zoologie, ihre Geschichte und Darstellungen erfahren möchten.

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