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Überleg mal anders

Die menschliche Fähigkeit zu denken halten wir allgemein für ein Zeichen unserer Intelligenz. Sie lässt uns zum Beispiel logisch schlussfolgern und wissenschaftlich argumentieren. Doch dieses vernunftgeleitete, explizite Denken allein reiche nicht aus, um einer "allgemeinen Verdummung" zu entkommen, so die These von Ernst Pöppel und Beatrice Wagner. Um Lösungen zu finden, Hintergründe zu verstehen und Weisheit zu erlangen, müssten wir zusätzlich weitere Denkwerkzeuge nutzen. Welche das sein könnten, beschreiben der Hirnforscher und die Paar- und Sexualtherapeutin in ihrem Buch.

Pöppel und Wagner haben bereits in ihrem 2015 erschienenen Werk "Dummheit" postuliert, dass unsere Gesellschaft nur vermeintlich immer schlauer wird. Nun fordern sie dazu auf, mal anders zu denken und zu leben, als es die gewohnten Pfade vorgeben. Die zehn kurzen Kapitel beginnen jeweils mit dem Appell "Traut euch". Laut den Autoren sollen wir zum Beispiel den Mut haben, intuitiv zu denken: Dem Bauchgefühl liege eine Art Mustererkennung zu Grunde, die in vielen Berufen und Lebensbereichen nützlich sei – etwa für Zollbeamte, die einen Schmuggler aufgrund ihrer Erfahrung enttarnen. Auch Vorurteile könnten sinnvoll sein, beispielsweise um schnelle Entscheidungen zu treffen. Weiter plädieren die Autoren dafür, offen für Zufälle zu sein, die das Leben prägen. Oder sich zuzugestehen, auch mal etwas nicht zu wissen oder vergessen zu können, um das Abstraktionsvermögen zu schulen.

Ganz unvernünftig ist auch nix

Die Autoren rufen jedoch nicht dazu auf, das logische, vernunftgeleitete Denken ganz einzustellen. Vielmehr gehe es darum, "komplementär zu denken", also in Routinen und neuen Bahnen: Nur kopfgeleitetes und intuitives Denken zusammen führten zum Erfolg, nur ein gutes Erinnerungsvermögen gemeinsam mit der Fähigkeit, zu vergessen. Um ihre Argumente zu stützen, nehmen Pöppel und Wagner die Leser mit in ihren Alltag: in Sitzungen einer Paartherapeutin und ins Labor eines Neurowissenschaftlers. Dazu erzählen sie unterhaltsame Anekdoten aus der Geschichte, Medizin oder Philosophie.

Oft kommt das Buch sehr praxisorientiert daher, gibt etwa konkrete Ratschläge, wie man vergessene Denkweisen aktivieren kann. Unter anderem empfehlen die Autoren, bewusst müßig zu gehen, damit sich die Intuition besser entfalten kann. Oder sich nicht dagegen zu sperren, Vergangenes zu vergessen, um einen Schritt in Richtung Weisheit zu tun. An anderen Stellen wiederum mutet das Werk eher abstrakt an, zum Beispiel wenn die Pöppel und Wagner empfehlen, über das eigene Denken nachzudenken. Dies kann auch der Kürze der Kapitel geschuldet sein. Die Botschaft wird jedoch klar: Pöppel und Wagner wollen dazu ermutigen, aus gewohnten Denkmustern auszubrechen.

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