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»Überlebt«: Mit Wissen und Humor gegen den Krebs

Krebs – die Diagnose schockiert und verängstigt. Hartmut Wewetzer hat diese Erfahrung gemacht. Nun erstattet er Bericht, klärt auf und macht Mut.

Hartmut Wewetzer, Arzt und Journalist, nimmt uns mit auf seine persönliche Reise: vom bösen Erwachen im Januar 2014 bis zum »Freispruch«, wie er es nennt, fünf Jahre später im Februar 2019. Seine Diagnose: Magenkrebs. Eine aggressive Krebsform, bei der nur jeder dritte Patient die ersten fünf Jahre überlebt. Wewetzer bekommt Chemotherapie und durchläuft eine Operation, bei der ihm anderthalb Kilo an Gewebe entnommen werden – inklusive des gesamten Magens.

Der rote Faden des Buchs ist der Krankheitsverlauf Wewetzers selbst. Er erzählt von den ersten Anzeichen des nahenden Unheils, der Diagnose und schließlich der Behandlung. Zunächst beschreibt er das Krankheitsbild »Krebs« – oder besser: die Krankheitsbilder, denn »Krebs hat viele Gesichter«. Über Evolution, ungehindertes Wachstum und Apoptose führt der Weg weiter zu der Frage, was diese Krankheit überhaupt hervorbringt. Übeltäter sind hier die typischen Laster: Rauchen, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel und Alkohol. Aber auch die Umwelt trägt Krebsrisiken bei, unter anderem durch Strahlung und gefährliche Substanzen; selbst Holzstaub wird als krebserzeugend eingestuft! Ebenso diverse Viren und Bakterien, zuletzt das Alter und der Zufall – manchmal hat man eben einfach Pech.

Sobald der Krebs einmal eingezogen ist, geht es darum, ihn zu entdecken – durch Alarmzeichen, die der Körper aussendet, oder durch Früherkennungsprogramme. Doch alles hat seine Tücken, auch das vermeintlich Gute und Sinnvolle.

Nach der Diagnose folgt die Behandlung, zunächst mit der Wahl der richtigen Einrichtung und der passenden Therapie. Wewetzer berichtet von bekannten und bedeutsamen Krebspatienten, die eine wundersame Heilung erfuhren oder durch ihr Leiden und Sterben bedeutende Erkenntnisse ermöglichten. Von Rückschlägen in der Therapie, die den Fatalismus wieder und wieder zur vorherrschenden Einstellung in Bezug auf Krebs haben werden lassen, und von hartnäckigen Wissenschaftlern, die mit ihrer Beharrlichkeit Durchbrüche in der Forschung herbeiführten.

Während der Körper behandelt wird, darf der Geist nicht vernachlässigt werden. Auch hier weiß der Autor Rat und berichtet über verschiedene Bewältigungsstrategien wie Tai-Chi, Feldenkrais, Humortherapie und auch halluzinogene Substanzen.

Mit Selbstironie durch eine dunkle Zeit

Wewetzer beschreibt seine Lage und das, was ihm widerfährt, realitätsnah. Er versucht nicht, das Schreckliche herunterzuspielen, übertreibt aber auch nicht. Mit seiner sachlichen, informierenden Art führt er durch viele Fachbegriffe, erläutert komplizierte Vorgänge und schafft anschauliche Vergleiche. Dass es sich jedoch nicht um ein reines Sachbuch handelt, verdeutlichen seine teilweise selbstironischen Kommentare (»Ich bin 52 Jahre alt, habe also gleich den ersten Zug ins Tumorland genommen. Alles einsteigen! Oh ja, ich bin dabei!« – die Humortherapie scheint gewirkt zu haben). Durch seine klare Struktur, die das Buch wie eine gut kuratierte Sammlung von Artikeln erscheinen lässt, hilft es dabei, die Gedanken und Informationen zu ordnen.

Hartmut Wewetzer entmystifiziert das große, unheilvolle Thema Krebs. Die erdrückende Angst vor dem Unbekannten wird ersetzt durch eine rationale Perspektive, gepaart mit dem Wissen um Möglichkeiten und Hoffnungen – »kenne deinen Feind«. Die meisten Menschen kommen früher oder später mit dem Thema in Kontakt; sei es durch die eigene Diagnose, der einer bekannten Person oder durch prominente Fälle wie die von Angelina Jolie oder Steve Jobs. Dieses Buch kann dabei helfen, in solchen Situationen Panik, Depression und Ratlosigkeit vorzubeugen und eigene Wege des Umgangs mit dem Krebs zu finden.

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