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Eine Ode an die Hummel

Es ist eine wahrlich große Liebe, die Englands führender Hummelforscher Dave Goulson in seiner »kurzen Geschichte« über die fliegenden Brummer offenbart. Schon früh entdeckte er sein Interesse für alles, was im heimischen Garten kreuchte und fleuchte, und fing etliche Geschöpfe ein. Dass nicht jedes davon seine kindlich unbeholfenen Untersuchungen überlebte, gesteht er gleich am Anfang des Buchs. Umso mehr setzt er sich heute für das Überleben der Hummeln besonders in Großbritannien ein.

Mit britisch-trockenem Humor entführt er seine Leser auf eine faszinierende Reise durch das Leben der pelzigen Insekten. Ohne allzu sehr ins Fachliche abzudriften, erläutert er, wie die Erbanlagen eine Hummelarbeiterin dazu bringen, sich lieber um ihre Schwestern als um den eigenen Nachwuchs zu kümmern – und wie die dicken Brummer anhand von Fußabdrücken auf einer Blüte erkennen, ob hier noch etwas zu holen ist. Dass die britische Erdbauhummel in Großbritannien ausgestorben ist, führt Goulson auf den Zweiten Weltkrieg zurück: Die damalige Isolation habe die Briten gezwungen, mehr Nutzpflanzen anzubauen, was wiederum die Lebensgrundlagen dieser Insektenart zerstörte. Zum Glück initiierte bereits in den 1870er Jahren ein Entomologe, Hummeln nach Neuseeland einzuführen, wo sich die Nachkommen der britischen Erdbauhummel noch heute beobachten lassen.

Im Schlepptau der Wildblumen

Immer wieder betont Goulson das ökologische Verdienst der behaarten Flieger: Jedes Jahr bestäuben die fleißigen Arbeiterinnen Abermillionen Blüten und erhalten so die enorme Vielfalt der Natur. Hummeln leisten nicht nur bei der Tomatenbestäubung wertvolle Dienste, auch viele Obstbäume profitieren von ihrem Wirken. Goulson beschreibt, wie wichtig diese Insekten für Natur und Mensch sind und welch schwerwiegende Folgen ihr Verschwinden hätte.

Beim Lesen des Buches wird aber auch klar, dass wir noch zu wenig über die Hummeln und ihr kurzes Leben wissen, um effizient zum Erhalt ihrer Gattung beizutragen. Von 26 Arten in Großbritannien sind lediglich acht häufig anzutreffen. Umso nachdrücklicher engagiert sich Goulson auch privat. Er kaufte ein kleines Stück Land und versucht es durch vorsichtigen Rückbau in einen möglichst natürlichen Zustand zu überführen, in der Hoffnung, dass sich dort wieder Wildblumen ausbreiten und mit ihnen die Hummeln.

Einen Wermutstropfen hat die Lektüre jedoch. Anders als es der Buchtitel verspricht, bleibt das Werk die Antwort schuldig, warum die Hummel fliegt. Das ist nicht das Versäumnis des Autors, sondern geht auf einen Übersetzungspatzer zurück. Aus dem Originaltitel "A Sting in the Tale" (eine verbreitete Metapher im Sinne von "dickes Ende" oder "Pferdefuß") machte der Verlag ohne jeden Zusammenhang "Und sie fliegt doch" – obwohl das Buch keine inhaltliche Grundlage dafür bietet. Dies sollte allerdings niemanden davon abhalten, die faszinierende Welt der fleißigen Bestäuber in diesem Werk etwas näher kennenzulernen und besser zu verstehen, welch wichtige Funktion sie in der Natur erfüllen.

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