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Unsichtbarer Beschützer

Die irdische Magnetosphäre hält geladene Teilchen aus dem Weltraum ab und schützt damit das Leben, wie dieses Buch würdigt.

Die irdische Biosphäre hat einen unsichtbaren Beschützer in Form eines Apfels, der die Lebewesen vor tödlicher Strahlung bewahrt. Den Menschen weist er seit Jahrhunderten den Weg zu Land und zu Wasser. Es ist das irdische Magnetfeld, das eine elementare Bedeutung für das Leben auf unserem Planeten hat. Die Journalistin Anke Wilde möchte darauf in diesem Buch aufmerksam machen. In ihrem Werk hat sie zahlreiche Anekdoten, faszinierende Experimente und spannende geowissenschaftliche Erkenntnisse rund um das Thema zusammengetragen.

Der Band startet mit einem langen Ausflug in die Entdeckungsgeschichte des Magnetismus. Demnach erkannten Naturwissenschaftler erst relativ spät, nämlich im 17. Jahrhundert, dass es wohl überall auf der Erde eine unsichtbare magnetische Kraft geben muss, die auf Metalle wirkt. Davor trieben allerlei hanebüchene Vorstellungen über den Magnetismus ihr Unwesen – etwa, dass Magnete von Diamanten impotent gemacht würden und ihre Kräfte mittels Bocksblut wiedererlangen könnten. Oder der Glaube, dass Magnete ihre Kraft verlören, wenn sie mit Knoblauch in Berührung kämen. Letztere Vorstellung hielt sich hartnäckig. So drohten Seeleuten mit Knoblauch-Atem, die sich dem Schiffskompass näherten, Stockschläge – aus Angst, sie könnten das Navigationsgerät ruinieren.

Abgelenkter Sonnenwind

In diesen Geschichten, die Wilde spannend und kurzweilig erzählt, erfährt man ganz nebenbei viele Fakten und Zusammenhänge rund um den Magnetismus. Die Autorin vermittelt, wie das Erdinnere aufgebaut ist, erläutert die Grundzüge der Kontinentaldrift und beschreibt, wie diese verwoben ist mit den Umpolungen des Magnetfelds im Lauf der Erdgeschichte. Und natürlich geht sie auch darauf ein, wie der Sonnenwind – also der Strom an geladenen Teilchen, der uns ständig von der Sonne erreicht – mit dem Erdmagnetfeld interagiert. Normalerweise fängt das Magnetfeld der Erde die geladenen Teilchen in den Weiten des Weltraums ab und lenkt sie an ihr vorbei. Nur an den Polen, dort, wo die Feldlinien senkrecht in die Erde führen, können die Teilchen zum Teil tief in die Atmosphäre eindringen. Dann sieht man dort mitunter Polarlichter, die den Himmel grünlich verfärben.

Wenn Sonnenwinde jedoch besonders intensiv ausfallen, können sie den magnetaren Schutzschirm stark auf die Probe stellen und elektronische Systeme lahmlegen. Das ist besonders eindrucksvoll geschehen im Jahr 1989 im kanadischen Quebec, wo sechs Millionen Menschen neun Stunden lang ohne Wärme und Elektrizität auskommen mussten, weil der solare Teilchenstrom Hochspannungsleitungen und Trafos außer Gefecht gesetzt hatte. Wir sollten also dankbar sein für die schöne Blase, die das Magnetfeld um unsere Erde bildet, schreibt Wilde. Ohne sie wäre die Erde vermutlich genauso tot wie der Mars, da der Sonnenwind die Atmosphäre dann schon längst weggeblasen hätte.

Wildes Buch ist lesenswert, kompakt geschrieben und hinsichtlich der Themen Magnetismus und Erdmagnetfeld erhellend. Obwohl die mathematische Beschreibung entsprechender Phänomene extrem anspruchsvoll ist, wie die Autorin erwähnt, enthält ihr Buch keine Formeln. Das ist auch gut so, denn das Werk versteht sich eher als wissenschaftsgeschichtlicher Abriss und Einführung ins Thema denn als Lehrbuch. Einige historische Schwarz-Weiß-Bilder und Grafiken, die naturwissenschaftliche Sachverhalte verdeutlichen, ergänzen das Buch.

Als der französische Gelehrte Petrus Peregrinus im Jahr 1269 einen Brief über Magnete an seinen Freund schrieb, schuf er das historisch wohl erste Dokument, das sich mit der Materie auseinandersetzte. Seither waren und sind unzählige Wissenschaftler den Geheimnissen des Magnetismus auf der Spur. Ob die Naturforscher von einst überhaupt ahnten, was für ein bodenloses Fass sie aufmachten, wo sie doch anfangs bloß wissen wollten, warum der Kompass immer nach Norden weise, fragt Wilde am Ende ihres Buchs. Nach der Lektüre lässt sich immerhin das problemlos beantworten.

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