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»Verhaltenstherapie beim Hund«: Wenn schlechte Erziehung als Erklärung nicht greift

Wenn Hunde unter Angst, Zwang oder einer Depression leiden, reicht Training allein oft nicht aus. Ein Arbeitsbuch für Hundetherapeuten.

Wenn ein Hund kaum zu Spaziergängen zu motivieren ist, ständig im Kreis läuft oder ihn die Zerstörungswut überkommt, sobald sein Mensch das Haus verlässt, können die Gründe dafür harmlose Eigenarten oder schlechte Erziehung sein – oder schlichte Unterforderung. Womöglich ist das Tier aber auch psychisch krank und leidet unter einer Depression, Zwangs- oder Angststörung. In »Verhaltenstherapie beim Hund« zeigt Robert Mehl, wie sich auffälliges Verhalten einordnen und therapieren lässt. Sein Buch richtet sich entsprechend nicht primär an Hundehalter, sondern vor allem an Menschen, die beruflich mit den Tieren arbeiten.

Der Diplom-Psychologe und Hundeexperte führt Schritt für Schritt durch den therapeutischen Prozess: vom Erstkontakt über die Anamnese und Verhaltensanalyse bis hin zur Therapieplanung. Mehls Buch will weniger gelesen als benutzt werden. Zahlreiche Arbeitsblätter liefern das Handwerkszeug für die Praxis, etwa einen Auskunftsbogen für das Erstgespräch, die Lebenslinie eines Hundes, Therapieziele oder Zielerreichungsskalen.

Sind Analogien zwischen Mensch und Hund zulässig?

Mehl überträgt Konzepte der Humanpsychotherapie auf Hunde und orientiert sich dabei an Klassifikationssystemen wie ICD und DSM; ein Vorgehen, das durchaus umstritten ist, gibt es doch – historisch gewachsen – die Sorge einer unangemessenen Vermenschlichung. Auch Mehl räumt ein, dass man mit Hunden nicht über ihr innerstes Erleben sprechen kann, weshalb sich beispielsweise Wahnerleben oder Halluzinationen bei ihnen kaum objektiv erschließen lassen. Vor dem Hintergrund neuerer Erkenntnisse zum Lernen, zur Neurobiologie und zum Verhalten – Bereiche, in denen Mensch und Hund ganz ähnlich »funktionieren« – entspreche diese Zurückhaltung jedoch nicht mehr unbedingt dem Stand der Wissenschaft.

Entsprechend verschwimmen im Buch mitunter die Grenzen zwischen Mensch und Tier. Wenn von »Patienten« die Rede ist oder Symptome wie Hecheln, Oberbauchbeschwerden oder Spannungskopfschmerz nebeneinanderstehen, muss man als Leser mitunter selbst einordnen, was auf den Hund übertragbar ist und was nicht.

Das klar strukturierte Fachbuch beschreibt Verhaltenstherapie nicht abstrakt, sondern als Handwerk. Mehl erläutert therapeutische Maßnahmen wie Expositionsverfahren, Habit-Reversal-Training oder Entspannungstechniken nicht nur theoretisch, sondern macht sie zu alltagstauglichen Werkzeugen für den Therapiealltag. Ein Buch, das sich in erster Linie für Hundetrainer und -therapeuten eignet, die nicht intuitiv vorgehen, sondern systematisch und diagnostisch fundiert arbeiten möchten.

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