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Nicht nur für Frauen

Zwei Sexualtherapeutinnen stellen das weibliche Geschlechtsorgan in den Mittelpunkt dieses Bands.

Mit diesem Buch haben die Ärztinnen Nina Brochmann und Ellen Støkken Dahl ein Werk geschaffen, das Ratgeber, Aufklärungsbuch und Unterhaltungswerk vereint. Ausführlich und mit gut dosiertem Humor behandeln sie nicht nur klassische Aufklärungsthemen wie Sex, Verhütung, Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten. Sie gehen einen Schritt weiter und informieren über gesellschaftlich brisante relevante Themen wie Mädchenbeschneidung, Intersexualität und das gefährliche Halbwissen um das vermeintlich reißende Hymen als Beweis für Jungfräulichkeit. Auf den ersten Blick mag der Band nur für Frauen geeignet erscheinen, ist aber auch für Männer interessant. Je nach Vorwissen können die Leser(innen) bei der Lektüre das ein oder andere Kapitel getrost überspringen.

Streitthema Pille

Die Autorinnen gehen intensiv auf die Wissenschaft ein. Sie berichten unter anderem von Forschern, die während des Vaginalverkehrs per Ultraschall den G-Punkt suchten und den weiblichen Orgasmus mit Kameras an vibrierenden Plastikpenissen filmten. Sie stellen Thesen dazu vor, warum bei Frauen das so genannte spontane Schleimhautwachstum auftritt, das sie an rund 2400 Tagen im Leben bluten lässt – und wieso dies ziemlich weh tun kann. Die Forschung liefert auch Antworten darauf, wie viel Sex in einer Beziehung normal ist, weshalb Frauen im Schlaf oder bei einem sexuellen Übergriff einen Orgasmus haben können und ob die Pille wirklich so schlimm ist, wie ihr neuer Ruf vermuten lässt. Immer mehr Frauen, so Brochmann und Dahl, unterstellten der Pille Nebenwirkungen, die wissenschaftlich nicht erwiesen seien. Zudem belege die monatliche Blutung unter dem Einfluss eines hormonellen Präparats keineswegs eine ausbleibende Schwangerschaft, wie viele meinen, sondern sei eine so genannte Abbruchblutung: Das Östrogen lasse während der Einnahmephase die Gebärmutterschleimhaut wie bei einer Schwangerschaft wachsen, und entfalle sein künstlicher Nachschub in der Einnahmepause, werde das Gewebe abgestoßen.

Brochmann und Dahl, beide als Sexualtherapeutinnen tätig, machen auch um peinliche Fragen keinen Bogen und geben ihren Leserinnen gleich praktische Tipps dazu. Etwa in Form eines »Ausflussguides« sowie eines Menstruationszyklus mit Öffnungszeiten des Fruchtbarkeitfensters, als aufgelistete Vor- und Nachteile verschiedener Verhütungsmittel oder als Tipps, wie sich ein (besserer) Orgasmus herbeiführen lässt – auch wenn dazu manchmal die Socken an den Füßen bleiben müssen.

Themen wie Ausfluss, Fischgeruch und Geschlechtskrankheiten nehmen Brochmann und Dahl das Unangenehme, indem sie Fachwissen vermitteln und viel Verständnis für die Betroffenen aufbringen. Intimgeruch und Beschaffenheit von Körperflüssigkeiten seien Indikatoren dafür, ob etwas nicht stimmt. Daher appellieren sie an die Leserinnen, nicht vor einem Arztbesuch zu scheuen, wenn die Genitalgesundheit beeinträchtigt ist. So habe ein Infekt im Intimbereich oft nicht so sehr mit sexuellen Praktiken zu tun, sondern schlicht mit Pech.

Weil die behandelten Themen sehr relevant sind, seien den Autorinnen die vielen eingestreuten, teils ungerechtfertigten Seitenhiebe gegen die Männerwelt verziehen. Auch über das »mädchenhafte« Layout lässt sich hinwegsehen. Denn das Buch macht klar: Über die Vagina zu reden, ist wichtig. Wenn Frau ihren Körper kennt und versteht, ist sie entspannter und fühlt sich sicherer beim Sex, beim Verhüten, im Gespräch mit dem Arzt und in ihrer Partnerbeziehung, ganz gleich welche dies sein mag.

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