»Von Aspirin bis Zink«: Medikamente – wirksam oder überflüssig?
Warum, so fragt man sich, ist bei dem anscheinenden Überfluss an leicht zugänglichen Informationen in den sozialen Medien, im Internet und in Zeitschriften noch ein Buch nötig, das Laien über die Anwendung von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln aufklärt? Der Autor, der unter dem Pseudonym »#DerApotheker« nun sein viertes Buch vorgelegt hat, tritt jedenfalls mit dem hohen Anspruch auf, »Die Wahrheit über unsere Arzneimittel« mitzuteilen.
Das Sachbuch ist, anders als sein Titel vermuten lässt, nicht alphabetisch gegliedert, sondern nach insgesamt zehn Themen. Diese sind seltsam unverbunden und reichen von »Übergewicht und Diabetes« bis zu »Neurotransmitter, Hormone und ihr Ungleichgewicht«. Weiterhin gibt es 180 Unterabschnitte, die aber leider nicht ins Inhaltsverzeichnis aufgenommen wurden, so dass sie nicht zur Orientierung beitragen. Das Buch kann dennoch als Nachschlagewerk genutzt werden, denn Register führen den Leser direkt zu den Krankheiten und Medikamenten, für die er sich interessiert.
Kenntnisse in Physiologie und Chemie erleichtern die Lektüre – etwa, wenn der Verfasser erklärt, wie der Körper bestimmte Substanzen verarbeitet: »Koffein wirkt, indem es im Gehirn die Adenosinrezeptoren A1 und A2A blockiert, durch die der körpereigene Botenstoff Adenosin normalerweise seine Wirkung entfaltet.« (S. 28)
Die Evidenz entscheidet
Arzneimittel und Medizinprodukte müssen ihre Wirksamkeit in Studien unter Beweis gestellt oder entsprechende Zulassungsverfahren durchlaufen haben, um von #DerApotheker als geeignet angesehen zu werden. Diesem evidenzbasierten Maßstab folgend, werden zum Beispiel Schüßlersalzen, Bachblüten oder orthomolekularen Nahrungsergänzungsmitteln keine Wirkung zugeschrieben. Wer den Hinweisen des Autors folgt, kann vielleicht auf bisher eingenommene Produkte verzichten und dadurch seine Ausgaben verringern.
Wichtig zu wissen: Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, die als Lebensmittel deklariert sind, dürfen auch ohne Nachweis ihrer Wirksamkeit vermarktet werden. Der Autor erwähnt das nur beiläufig. Zu Melatonin heißt es: »Die Hersteller deklarieren dieses Hormon einfach als Lebensmittel und nutzen damit eine Gesetzeslücke.« (S. 135) In Deutschland beträgt der jährlich mit solchen Produkten erwirtschaftete Umsatz 4,3 Milliarden Euro. Auch Apotheken haben durchaus ein Interesse daran, dass die bisherige gesetzliche Regelung erhalten bleibt. #DerApotheker blendet diese systemische Problematik weitgehend aus.
Die Stärke des Buchs liegt in seinen praktischen Tipps. Fast zu jedem vorgestellten Arzneimittel gibt es Hinweise zur Einnahme, da die Wirksamkeit etwa durch gleichzeitigen Verzehr bestimmter Lebensmittel beeinflusst werde. So könne sich die aufgenommene Menge des Wirkstoffes bei Bilastin, einem Antihistaminikum, um bis zu 30 Prozent verringern, wenn gleichzeitig bestimmte Nahrungsmittel wie insbesondere Grapefruit konsumiert würden.
Etwas mehr Präzision wäre an manchen Stellen wünschenswert. Immer wieder finden sich Quantifizierungen, die mit »häufig« oder »gelegentlich« eher vage ausfallen. Für die Einnahme von Benzodiazepinen heißt es: »Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit und Muskelschwäche.« (S. 122) Informationen wie diese stehen wahrscheinlich auch auf den entsprechenden Beipackzetteln.
Insgesamt überzeugt das Buch aber durch sein konsequentes Festhalten an der beweisbaren Wirkung von Medikamenten, etwa durch Studien. Im Grunde gibt #DerApotheker somit Hinweise, die ein Arzt oder Apotheker, wenn er denn die Zeit dafür hätte, seinen Patienten beziehungsweise Kunden in der Regel auch geben könnte. Viele der Informationen dürfte der Kunde auf Beipackzetteln finden – wenn er sie denn lesen würde. #DerApotheker vermittelt das dort oft in Kleinstschrift und schwer verständlicher Sprache präsentierte Wissen aber zweifellos unterhaltsamer und übersichtlicher.
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