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Schicksal und Chance

Neurowissenschaftler und Philosophen widmen sich in einem losen Mix an Texten dem Altern in seinen Facetten

Ewig jung bleiben. Können wir das? Und wollen wir das überhaupt? Nein, sagen die Autoren des Buchs. Vielmehr geht es darum, das Altern zu akzeptieren und positiv zu nutzen – und so geistig jung zu bleiben, ohne das eigene Lebensalter zu verdrängen.

Diese These bildet den Rahmen für die Texte, die 2018 im Rahmen eines Symposiums entstanden sind. Die Beiträge decken eine große Bandbreite an Perspektiven ab und reichen von den Vorgängen im Gehirn beim gesunden Altern und bei Demenz über die Evolution des Alterns bis hin zu philosophischen Ausführungen über die Neugier.

Das Werk beginnt mit zwei spannenden und gut verständlichen Artikeln zur Hirnforschung des Alterns: mit informativen Zahlen, fundierten Erklärungen und ein paar praktischen Tipps, welche Aktivitäten beim Jungbleiben helfen.

Mal spannend, mal mühsam

Leider lässt der Lesespaß von da an mit jedem Kapitel ein wenig nach. So beleuchtet der folgende Text zwar Studien, deren Methodik und die ethischen Aspekte kritisch und fasst am Ende das Wichtigste zusammen. Allerdings verwenden die Autoren gerne Passivkonstruktionen und erklären wichtige Fachbegriffe wie »Mortalitätsraten« nicht. Das macht es mühsam. An anderer Stelle verdeutlicht die Autorin Annette Baudisch in ihrem Text über die Evolution des Alterns zwar zunächst, warum gängige Theorien wichtige Fragen unbeantwortet lassen. Als Lösung präsentiert sie dann ihre eigene Hypothese – die der Leser schlecht selbst auf Lücken überprüfen kann.

Die späteren Kapitel liefern viel eigene Meinung der Autoren und deutlich weniger gesicherte Erkenntnisse. Das liegt bei der Philosophie in der Sache. Doch der starke Kontrast zwischen den fundierten wissenschaftlichen Fakten und den eher blumigen Reden in den vier letzten, sehr philosophischen Abhandlungen lässt die Lesenden womöglich unbefriedigt zurück. Hier wiederholen sich Ansichten und Gedankengänge häufiger, thematisch lassen sich die Texte schwer abgrenzen. Schließlich liegt der »Umgang mit Neuem« nahe an »Neugier und das gute Leben«. Schön wäre es gewesen, wenn alle Autoren konsequent Hilfsmittel wie Aufzählungen, Zusammenfassungen oder Grafiken genutzt hätten, die erfreulicherweise zumindest immer mal wieder auftauchen. Das Glossar am Ende hilft zudem, bei den Fremdwörtern den Überblick zu behalten.

Es ist ein Mix aus so Verschiedenem, dass wohl kaum jemand das ganze Buch genießt. Etwas Interessantes findet sich in jedem Kapitel, doch für manch Lesende mag der neurobiologische Teil zu sehr in die Tiefe gehen, für andere sind die philosophischen Abhandlungen zu ausschweifend. Die zentrale Botschaft, das Altern zu genießen und aktiv zu gestalten, bringt das Buch dennoch zur Geltung. Und es animiert dazu, über die eigene Vorstellung vom Älterwerden nachzudenken. Lesen sollte das Buch, wer sich einen groben Überblick über den Wissensstand und die Theorien zum Altern machen möchte. In Themen, die man besonders spannend findet, sollte man dann bei einer weiterführenden Lektüre eintauchen.

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