»WAS IST WAS Training für den Mond«: Mission Mond – Astronautentraining als Comic
»Ein deutscher Astronaut wird als erster Europäer zum Mond fliegen.« Diese überraschende Nachricht verkündete der ESA-Generaldirektor im November 2025 bei der ESA-Ministerratskonferenz in Bremen. Der Start soll ab 2028 im Rahmen des Artemis-Programms erfolgen. Zwei deutsche Astronauten kommen dafür zurzeit in Frage: Alexander Gerst und Matthias Maurer. Beide sind erfahrene ESA-Astronauten und waren bereits bei Missionen zur Internationalen Raumstation ISS im Einsatz. Wer von ihnen tatsächlich zum Mond fliegen wird, ist bislang noch nicht bekannt. Umso schöner ist es, dass beide ein besonderes Talent dafür haben, vor allem Kinder und Jugendliche für den Beruf des Astronauten und die Raumfahrt zu begeistern.
Matthias Maurer hat nun sein zweites Kindersachbuch in der »WAS IST WAS«-Reihe veröffentlicht. Nach »Mission im Weltraum« (2024) richtet sich auch »Training für den Mond« an Kinder ab etwa acht Jahren. Auch dieses Mal setzt Matthias Maurer gemeinsam mit Sarah Konrad (Text) und Noa Sauer (Illustration) auf das Medium Comic. Und so begleiten die Leserinnen und Leser die »Comicfigur« Matthias Maurer und seine Kollegin, die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti, auf 121 Seiten bei ihren Vorbereitungen auf eine Mondmission.
Von Gesteinsproben und Cowboys
Auf anschauliche und unterhaltsame Weise vermitteln sie, wie umfangreich und vielfältig das Trainingsprogramm für eine solche Mission ist. Ein Schwerpunkt liegt auf dem sogenannten PANGAEA-Training. Hier erkunden zukünftige Mondbesucher Landschaften in vier Ländern der Erde, die der Mondoberfläche besonders ähnlich sind. Da Astronauten Gesteinsproben vom Mond zur Erde zurückbringen sollen, lernen sie, interessante Proben zu erkennen, auszuwählen und fachgerecht zu sammeln. Dabei kommen auch Geologen und Raumfahrtexperten zu Wort, die das Training begleiten. Fotos dazu am Ende des Buchs unterstreichen den dokumentarischen Charakter des Comics.
Maurers Reise führt ihn im nächsten Abschnitt in die USA. Bei seinem Besuch im Johnson Space Center in Houston erfahren die Leserinnen und Leser viel über vergangene Mondmissionen und auch darüber, wie sich amerikanische Astronauten vorbereiten. Dazu gehören Trainingseinheiten in kargen Wüstentälern bei hohen Temperaturen und jeder Menge Wind. Diese Bedingungen erinnern allerdings nur bedingt an die Verhältnisse auf der Mondoberfläche. Umso amüsanter ist daher die Szene, in der die trainierenden Astronauten in sommerlichen Raumanzügen plötzlich Cowboys mit ihrer Rinderherde gegenüberstehen.
Auf dem Mond in Köln
Unweigerlich stellt sich die Frage: Gibt es denn auf der Erde keinen Ort, der dem Mond ähnlicher ist? Wenn es Indoor-Skipisten gibt, warum dann nicht auch eine Indoor-Mondlandschaft? Und genau dorthin führt uns Matthias Maurer denn auch im letzten Teil des Buchs: in das Mondtrainingszentrum LUNA in Köln. Dort wurde auf 700 Quadratmetern eine Mondlandschaft mit Sand, Kratern und spezieller Beleuchtung nachgebaut, die ein nahezu realistisches Training ermöglicht.
Gekonnt in den Handlungsstrang eingebettet sind immer wieder Seiten aus Maurers Notizbuch. Stilistisch gut und klar fasst er dort zusammen, was er – und damit auch die Leserinnen und Leser – alles gelernt hat. Auch wichtige Themen wie das Essen und Trinken auf dem Mond oder die Frage nach der dortigen Uhrzeit finden auf diesen Extraseiten Platz.
Besonders gut gefällt mir an dem Buch, dass es sich eben nicht um eine Fantasiegeschichte mit erfundenen Figuren handelt. Alle dargestellten Personen sind reale Akteure aus dem Umfeld von Matthias Maurer und werden zu Beginn des Buchs vorgestellt. Jede Figur hat ihre eigene Persönlichkeit, die Dialoge und Textpassagen sind lebendig und altersgerecht gestaltet. Sehr glaubwürdig werden auch ihre Emotionen dargestellt: der sehnsüchtige, fast verliebte Blick auf den Mond, die konzentrierten Gesichter während der Trainingseinheiten, die kleine Träne der Rührung von Professor Hiesinger. Hier zeigt sich eine Stärke des Mediums Comic, die Illustratorin Noa Sauer gekonnt umsetzt: Selbst Kinder, die noch nicht sicher lesen können, können der Geschichte somit in weiten Teilen allein anhand der Bilder folgen.
Natürlich ist die Ausbildung von Matthias Maurer und Samantha Cristoforetti am Ende des Buchs noch nicht abgeschlossen. Aber vielleicht erscheint ja noch ein weiterer Band, der ebenso schön zeigt, wie nah Wissenschaft und Abenteuer beieinanderliegen. Dieses Buch ist auf jeden Fall ein Comic-Highlight für junge Weltraumfans – und darüber hinaus für alle, die wissen möchten, wie der Weg zum Mond heute aussieht.
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