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Behandlungsabbruch

Zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stürzen sich engagierte Psychotherapeut(inn)en voll Begeisterung in die Arbeit. Doch die anfängliche Euphorie weicht mit der Zeit häufig Frustration. Denn etliche Klienten brechen die Therapie vorzeitig ab. Für die Behandelnden hat das meist keinen ersichtlichen Grund: Sie werden sich der Unzufriedenheit ihrer Patienten erst bewusst, wenn diese nicht mehr zu vereinbarten Terminen erscheinen.

Es sei erwiesen, dass Therapeuten mitverantwortlich für die hohe Abbruchrate sind, meinen die Autoren dieses Buchs. Die beiden Psychotherapeuten, der eine promoviert und der andere habilitiert, arbeiten als Supervisor (Berater) für Fachkollegen. An diese richten sie ihr Werk, in dem sie häufige Behandlungsfehler zusammengetragen haben.

Jedes der rund 50 Kapitel widmen die Autoren einem bestimmten Therapiefehler. Diesen beschreiben sie zunächst, etwa indem sie ein konkretes Fallbeispiel aufführen. Dann erklären sie, warum man ihn besser vermeiden sollte. Schließlich geben sie konkrete Tipps, wie das in der Berufspraxis gelingen kann. Dabei stützen sie sich auf wissenschaftlich begründete Strategien, die erwiesenermaßen die Rate der Therapieabbrüche senken können. In einem separaten Abschnitt befassen sie sich mit speziellen Fehlern in der therapeutischen Arbeit mit Kindern.

Helfer sind auch nur Menschen

Laut den Experten liegt die erste und folgenschwerste Schwäche vieler Therapeuten darin, die eigene Fehlbarkeit nicht zu akzeptieren. Würden die Behandelnden über ihren Schatten springen und mehr an sich arbeiten, könnten sie zu besseren Therapeuten werden. Schwartz und Flowers beschreiben, wie man eine Therapie falsch beginnt oder beendet, die Beziehung zu einem Klienten ruiniert, Grenzen ungenau setzt, negative Einstellungen verschlimmert und schließlich den eigenen Burnout herbeiführt. Auch warnen sie ihre Kollegen davor, die psychische Widerstandskraft (Resilienz) der Klienten zu unterschätzen. Viele Beeinträchtigungen verschwänden auch ohne professionelle Behandlung wieder – Psychotherapeuten dürften sich nicht zu wichtig nehmen.

Im Anhang geben die Autoren ihren Lesern mehrere Fragebögen auf den Weg. Mit deren Hilfe kann man sich selbst bewerten und die eigene interkulturelle Kompetenz ebenso einschätzen wie das persönliche Menschenbild. Auf weitere Hilfsmittel dieser Art weisen die Autoren hin.

Man darf annehmen, dass den meisten Therapeuten die vorgestellten Fehler grundsätzlich bekannt sind, zumal bereits im Psychologie- oder Medizinstudium vor gängigen Patzern gewarnt wird. Doch laut den Erfahrungen von Schwartz und Flowers tappen Nachwuchstherapeuten zu Beginn ihrer Laufbahn reihenweise in diese Fallen. Eine Psychotherapie ist ein hochkomplexer Prozess, in dem die Behandelnden zugleich empathisch-zuwendend sein als auch rational-kognitiv die nächsten Therapieschritte abwägen müssen. Ein schwieriger Spagat, bei dem man leicht selbst Offensichtliches übersieht.

Das empfehlenswerte Buch gibt Denkanstöße, um die eigene Therapiepraxis zu hinterfragen und zu verbessern. Zudem ist es wie ein Nachschlagewerk verwendbar und liefert enorm viele hilfreiche Ratschläge. Trotz ihrer Rolle als Korrektoren gelingt es den Autoren stets, Mitgefühl mit jungen Therapeuten zu zeigen. Bei alldem ist ihr Werk unterhaltsam und fachlich überzeugend – nicht zuletzt durch Verweise auf Forschungsarbeiten oder Zitate bekannter Psychologen. Wenn die Leser der Zielgruppe den Mut haben, sich auf Veränderung und Selbstreflexion einzulassen, können sie von der Lektüre sicher profitieren.

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