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Wildes Leben

Der Bildband »Wildlife Fotografien des Jahres« präsentiert die Gewinner des renommierten Fotowettbewerbs mit beeindruckenden Naturaufnahmen.

Sie halten den Moment fest und erzählen ganz viel zugleich: Die 100 Siegerfotos des renommierten Wettbewerbs »Wildlife Photographer of the Year«. Vor mehr als 55 Jahren ins Leben gerufen, zeichnet das Natural History Museum aus London damit regelmäßig Fotografen der ganzen Welt für besonders gelungene Naturaufnahmen aus. Für alle, die die Ausstellung nicht besuchen können oder einen bleibenden Genuss für sich und andere suchen, gibt es einen hochwertigen Bildband – in diesem Jahr das Portfolio 30.

Das Gesamtbild versetzt in Staunen

Auf welchem Weg die erfahrene Jury zu ihrem Urteil kommt, erfährt der Leser in einer kurzen Einleitung. Beispielsweise, dass sie in der ersten Phase zunächst ohne Kenntnis des jeweiligen Künstlers Ästhetik, Originalität und erzählerische Wirkung der eingereichten Fotos bewerten. Im Jahr 2020 haben Fotografen aus 86 Ländern insgesamt fast 50 000 Bilder eingereicht. Aus den 100 Besten wählt die Jury dann zwar gemeinsam einen Sieger, doch vor allem ist es das Gesamtbild, das staunen lässt.

Das Thema Natur und Wildnis lässt sich unter unterschiedlichen Aspekten – und Blickwinkeln – behandeln. Um dem im Buch gerecht zu werden, ist das Gewinner-Portfolio in unterschiedliche Kategorien unterteilt. Jedem Foto stellen die Verfasser außerdem einen kurzen Text mit Hintergrundwissen über das Motiv und die Entstehungsgeschichte zur Seite. Es lohnt sich jedoch, erst in die Bilder einzutauchen und zu versuchen, die mit ihnen verbundenen Botschaften zu entdecken.

Hellblau mit schwarzen Sprenkeln taucht ein riesiges Krokodil aus der Wasseroberfläche auf. Ins Auge fallen zuerst die knollenförmig verdickte Nase und die seitlich stehenden gelb geränderten Augen mit ihrem lauernden Blick. Im selben Moment bemerkt man die vielen Mini-Krokodile in unauffälligem Braun, die sich auf dem Rücken des Reptils tummeln und die langen Schnauzen hochstrecken. Zudem paddeln neben dem riesigen Tier noch viele weitere kleine im Flusswasser. Tatsächlich, so erfährt man im Begleittext, handelt es sich um einen der fast ausgestorbenen Gangesgaviale in Indien. Der Fotograf Dhritiman Mukherjee hat mit der Kamera ein Vatertier dabei festhalten können, wie es seinem Nachwuchs einen sicheren Startplatz für den Sprung in den zukünftigen Lebensraum bietet.

Genauso faszinierend ist ein anderes Beispiel aus der Kategorie Verhalten von Amphibien und Reptilen: ein Frosch mit riesigen, gemusterten Augen, der aus durchsichtigem Gummi zu bestehen scheint, hält sich geschickt an einem Zweig fest und hat eine Spinne im breiten Maul. Der Text informiert, dass die gestochene Nahaufnahme von Jaime Culebros einen kleinen exotischen Glasfrosch der Anden darstellt. Durch Abholzung ist diese Spezies stark bedroht.

In den einzelnen Kategorien, seien es Unterwasserwelten, Tierporträts oder der Lebensraum Erde, findet garantiert jeder seine Highlights. Was mich betrifft, gehört auf jeden Fall die regelrecht märchenhafte Aufnahme einer Elchkuh dazu, festgehalten von Matthew Henry. Mit der Lippe, die charakteristisch über die Schnauze ragt, sieht es aus, als würde das Tier lächeln. Vielleicht wegen der zarten Schneeflocken, die vor dem schwarzen Nachthimmel um ihr Gesicht herum tanzen?

Die zu Recht ausgezeichneten Fotos spiegeln das Können und Talent der Fotografen wider, was auch für die separat prämierten Jungfotografen gilt. Dazu kommen Ausdauer, eine professionelle Ausrüstung und etwas Glück. Ein Buch, das sich unbedingt lohnt und Profi- oder Hobbyfotografen genauso begeistern wird wie Naturliebhaber.

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