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Immer diese Azoren

Warum entstehen meteorologische Hochdruckgebiete offenbar immer bei den Azoren und was haben Tiefdruckgebiete mit Island zu tun? Und inwiefern trug ein isländischer Vulkanausbruch zur französischen Revolution von 1789 bei? Anhand dieser und ähnlicher Fragen führen ARD-Wettermoderator Sven Plöger und Wissenschaftsjournalist Rolf Schlenker kurzweilig in die Meteorologie der nördlichen Hemisphäre ein.

Gut verständlich erläutern Plöger und Schlenker die Grundlagen unseres Wettersystems. Dabei erklären sie etwa, wie unterschiedlich sich die Sonneneinstrahlung in Äquator- und Polregion auswirkt, sowie den daraus resultierenden Wärmeausgleich über Winde. Auch beschreiben sie den ablenkenden Einfluss der Corioliskraft, die den warmen Luftstrom vom Äquator nicht über den Breitengrad der Azoren und den kalten vom Pol nicht über die Breite Islands hinaus gelangen lässt. Zudem thematisieren sie, wie Wetterzellen und Strahlstrom entstehen.

Auf den Inseln kennt man Wetterlaunen

Bei alldem ist das Werk kein trockenes Sachbuch, sondern nimmt den Leser mit auf eine kurzweilige, informative Reise an wichtige Orte der Wetterentstehung. Auf den Azoren beispielsweise herrscht entgegen gängiger Annahmen nicht immer nur Sonnenschein, sondern das Wetter kann innerhalb weniger Minuten umschlagen. Daher resultiert die dort gebräuchliche Redewendung "Gefällt Dir das Wetter nicht? Dann warte eine halbe Stunde...". In Island wiederum herrscht keineswegs nur Regenwetter; die Sommer können dort auch sehr trocken ausfallen, wie das Jahr 2015 zeigte. Neben Informationen darüber, wie Menschen an diesen und anderen Orten mit dem jeweiligen Klima umgehen, liefern die Autoren Beispiele dafür, wie sehr die menschliche Geschichte immer wieder von meteorologischen Prozessen abhing.

Als etwa der isländische Vulkan Laki im Jahr 1783 ausbrach, schleuderte er schätzungsweise 15 Milliarden Kubikmeter Lava, 120 Millionen Tonnen Schwefeldioxid und 8 Millionen Tonnen Fluor in die Luft. Der daraus entstehende, ätzende Niederschlag vergiftete die Weiden auf Island; 80 Prozent des Viehbestands musste notgeschlachtet werden, jeder vierte Einwohner starb. Über Winde verbreitete sich der giftige Auswurf nach Europa und Amerika. Da die Ascheteilchen in der Atmosphäre die Sonneneinstrahlung reduzierten, fiel der Winter 1783 extrem kalt aus. Auch der Sommer darauf war kühl – und von Missernten gekennzeichnet. Das verschärfte die Situation im Frankreich des Ancien Regime, welches ohnehin schon von einer schweren finanziellen und gesellschaftspolitischen Krise geschüttelt war. In den folgenden Jahren stiegen die Brotpreise und es kam zu Hungersnöten. Im Sommer 1789 eskalierte die dadurch verschärfte politische Lage und gipfelte in der französischen Revolution.

Tödliche Hitze

Auch das Hoch "Michaela" hinterließ im "Jahrhundertsommer" 2003 tiefe Spuren. Schätzungen zufolge führten die Rekordtemperaturen in ganz Europa zu etwa 70.000 zusätzlichen Todesfällen und richteten einen volkswirtschaftlichen Schaden von 13 Milliarden Dollar an. Mit Blick auf den Temperaturanstieg, der mit dem menschengemachten Klimawandel einhergeht, verheißt das nichts Gutes. Dieser könnte im Mittel mehrere Grad Celsius betragen und das Polareis abschmelzen lassen. Die Konsequenz wäre ein weltweiter Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter – mit unabsehbaren Folgen.

Das mit mehr als 170 Abbildungen üppig illustrierte Buch richtet sich nicht an meteorologische Fachleute, sondern empfiehlt sich vor allem für Leser, die einen allgemeinverständlichen Einstieg in die Wetterkunde suchen. Allerdings wäre eine Zusammenstellung weiterführender Quellen am Ende wünschenswert gewesen. Immerhin finden sich im Text einige Hinweise auf relevante Youtube-Videos oder Literatur.

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