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Neuro für alle! Eine rundum überzeugende Enzyklopädie der Neurowissenschaft ist nun komplett

Das „Lexikon der Neurowissenschaft“ von Spektrum Akademischer Verlag füllt bei den naturwissenschaftlichen Enzyklopädien eine Lücke und bietet Fachleuten, Studierenden und Laien sehr viel interessante Information. Es liegt sowohl vierbändig in Buchform als auch auf CD-ROM vor. Rund 120 Wissenschaftler haben ein Werk geschaffen, das durch ein klares Konzept und dessen konsequente Umsetzung besticht.Vor allem in der elektronischen Version können die Nutzer die rund 14.000 Stichworte schnell und bequem abfragen. Dabei erhalten sie nicht nur Worterklärungen, sondern auch die englische Übersetzung der Begriffe – oft unter Angabe weiterer Synonyme –, etymologische Erläuterungen sowie per Hypertext Verweise auf wichtige Begleitaspekte. Wie in der Buchversion erleichtern 1.200 Schwarz-weiß-Skizzen und -Abbildungen sowie einige exzellente Farbtafeln das Verständnis für die dargestellten Sachverhalte. Die übersichtlich gestalteten Texte sind durch wertvolle tabellarische Kurzübersichten und Tabellen ergänzt. Schade, dass nicht alle Autoren von diesem Hilfsmittel Gebrauch gemacht haben! Die Navigation durch den Text erfolgt problemlos und schnell. Alle Daten und Texte lassen sich einfach exportieren, drucken und kopieren.Eine Besonderheit des Lexikons sind die hervorragenden und spannenden Essays, in denen namhafte Autoren wichtige Begriffe lehrbuchartig abhandeln und in größere Zusammenhänge stellen. Besonders empfehle ich auch das hervorragende Vorwort von Wolf Singer, das die Entstehung eines neuen Fachgebietes, der Neurowissenschaft, aus der Perspektive verschiedener Disziplinen aufzeigt und ahnen lässt, welchen Einfluss die Hirnforschung in Zukunft etwa auch auf die Geisteswissenschaften ausüben wird.Deutsche Lehrbücher sind immer mit der Schwierigkeit konfrontiert, dass viele Fachausdrücke englischen Ursprungs und zum Teil fast unübersetzbar sind. Das Lexikon der Neurowissenschaft hat sich in einem eleganten Kompromiss der Gepflogenheit angepasst, fragliche Begriffe nicht krampfhaft ins Deutsche zu übersetzen. So finden sich in der tabellarischen Übersicht über Kaliumkanäle die „langsamen verzögert gleichrichtenden K+-Kanäle“ direkt neben „high conductance Ca2+-sensitive channels“. Fremdsprachliche Termini wurden der international verwendeten Schreibweise angepasst.Für die potenziellen Käufer des schönen Werkes stellt sich die Frage, ob sie die gedruckten Bände oder aber die elektronische Version vorziehen sollen. Ich habe mit Spaß in den Büchern geblättert und bin dabei auf interessante Übersichtsartikel und Begriffe gestoßen, die ich sonst wohl kaum recherchiert hätte. Regelmäßigen Gebrauch allerdings werde ich auf Dauer eher von der elektronischen Version machen. Da sie von der Festplatte des Computers jederzeit schnell abrufbar ist, bietet sie entscheidende Vorteile gegenüber der Buchversion – aber auch gegenüber nur langsam aus dem Internet abrufbaren Enzyklopädien.Kurzum: Das Lexikon der Neurowissenschaft von Spektrum Akademischer Verlag ist ein außerordentlich gelungenes Nachschlagewerk, das sowohl Neurobiologen wie auch all jene begeistern wird, die sich für dieses zukunftsweisende Fachgebiet interessieren.

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  • Quellen
Gehirn & Geist 01/2002

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