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Eine glänzende Widerlegung des Intelligent Design

Das schmale Büchlein setzt sich informativ und elegant mit dem "Intelligent Design" auseinander. Diese vor allem in den USA – aber nicht nur dort – grassierende Doktrin behauptet, die von Darwin begründete Evolutionslehre sei falsch; unmöglich könne die Vielfalt der lebenden Organismen durch bloß natürliche Vorgänge entstanden sein. Vielmehr müsse dabei ein "intelligenter Designer" seine Hand im Spiel gehabt haben – modischer Deckname für den biblischen Schöpfergott.

In der Tat leuchtet der Evolutionsgedanke nicht unmittelbar ein und wird darum Umfragen zufolge noch heutzutage von einer stabilen Mehrheit bezweifelt oder abgelehnt. Ist es nicht unglaublich, dass ein so komplexes Instrument wie das Auge ohne Absicht, nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum, bloß durch das blinde Wechselspiel von Mutation und Selektion entstanden sein soll? Saurier, die ausgestorbenen Schreckensgestalten, sollen die evolutionären Vorläufer der Vögel gewesen sein, unserer gefiederten, singenden Freunde? Und wir Menschen seien eng mit jenen haarigen Baumkletterern verwandt, die wir beim Zoobesuch im Affenhaus amüsiert und etwas verlegen betrachten?

Alles Humbug, erwidern die Vertreter des Intelligent Design und verkünden eine beruhigende Botschaft: Es sei nicht nur einfacher, sondern auch wahrer, dem altbekannten Buchstaben der biblischen Schöpfungsgeschichte zu folgen als den schwer verdaulichen Aussagen der Evolutionsforschung.

Christopher Schrader, Redakteur bei der "Süddeutschen Zeitung", bringt das Kunststück zu Wege, so kurzweilig wie gründlich einen knappen Aufriss der Evolutionslehre und des Intelligent Design zu liefern. Er gibt die Argumente beider Seiten wieder, skizziert eine kurze Geschichte der Auseinandersetzungen und bewertet die Resultate. Er erklärt Intelligent Design als ein Phänomen, das aus dem Milieu des christlichen Fundamentalismus in den USA hervorgegangen ist, erwähnt aber ähnliche Tendenzen in der katholischen Kirche von heute. Die Position des derzeitigen Papstes zum Verhältnis von Schöpfung und Evolution erscheint dem Autor noch uneindeutig.

Schrader selbst favorisiert einerseits eine Haltung, die den überwältigenden Indizien für eine rein natürliche Entwicklung des Lebens uneingeschränkt Rechnung trägt; insofern ist sein Büchlein in dieser Kürze die glänzendste Widerlegung des Intelligent Design, die es derzeit zu kaufen gibt. Andererseits ist die Schrift in einem auf religiöse Themen spezialisierten Verlag erschienen und plädiert für ein Ende des Streits zwischen Religion und Wissenschaft, für ein friedliches Miteinander von Glauben und Naturforschung.

Schrader erwähnt gegen Ende einige prominente Biologen, die sich zum Christentum bekennen, lässt aber auch nicht unerwähnt, dass – beginnend mit Darwin selbst – wichtige Vertreter der Evolutionsforschung überzeugte Atheisten gewesen sind. Auch hierin ist das kleine Buch angenehm fair und, da es nirgends versucht, die Wissenschaft dem Glauben zuliebe zurechtzubiegen, sehr zu empfehlen.

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  • Quellen
Spektrum der Wissenschaft 06/2007

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