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Das Antlitz der Erinnerung. Fotografische Schätze aus der Sammlung der Royal Photographic Society

Die Royal Photographic Society, 1853 gegründet als "Photographic Society of London", war über lange Zeiten ihres Bestehens "eine Art fotografische Selbsthilfegruppe". Wohlhabende Mitglieder der englischen Gesellschaft – Fotografie war ein extrem teures Vergnügen – trafen sich regelmäßig zum Austausch über technische Neuerungen, ihre Erfahrungen und ihre Werke. Vornehmlich aus Arbeiten ihrer Mitglieder hat die Royal Photographic Society ein Archiv aus mehr als 270000 Bildern angesammelt, aus dem das vorliegende Buch eine Auswahl von Highlights präsentiert. Man erfährt auch einiges über die Entwicklung der verschiedenen Techniken, von den mit Pech beschichteten Platten des Nicéphore Niépce (Spektrum der Wissenschaft 2/1997, S. 52) und den wenig später folgenden Daguerreotypien bis zur Handkamera und zum Rollfilm.Aber das steht im Anhang oder wird nebenbei erwähnt, als ein Faktor, der die künstlerische Arbeit einengte oder in eine bestimmte Richtung drängte: So bevorzugten die Verwender des Autochromverfahrens, einer Frühform des Diapositivs, satte Rottöne, weil diese besonders eindrucksvoll zur Geltung kamen.In den Vordergrund hat die Herausgeberin den Ausdrucks- und Gestaltungswillen der Fotografen gestellt. So arbeitet sie heraus, dass britische Landschaftsfotografen bevorzugt die vom Menschen geformte, wohlgeordnete Natur abbildeten und wilde, unberührte Landschaften vernachlässigten, während ihre amerikanischen Kollegen sich aus einleuchtenden Gründen gerade darauf konzentrierten.Man braucht eine Weile, um die an Massen technisch perfekter Bilder gewöhnten Augen umzuschalten auf Werke, denen man die Mühe ihrer Herstellung oft nur zu deutlich ansieht. Aber dann sind sie höchst eindrucksvoll.

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  • Quellen
Spektrum der Wissenschaft 06/01

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