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Expeditionen ins Unsichtbare

Es geht nicht um Grenzüberschreitungen auf Länder- oder Erfahrungsebene – sondern um Ebenen innerhalb unserer eigenen Umwelt, die mit dem bloßen Augen nicht mehr zu erfassen sind: um den Mikrokosmos. Was er für uns im Verborgenen hält, erblickt der Mensch nur mit Hilfsmitteln wie dem Lichtmikroskop. Wie man es am besten einsetzt und welche Schätze es sichtbar macht, zeigt "Das große Kosmos-Buch der Mikroskopie" von Bruno Kremer.

Es handelt sich um ein handfestes Buch mit wunderbaren Aufnahmen, fantastischen Bildern, unglaublichen Details und tollen wie ausführlichen, aber sehr praxisorientierte Erklärungen – ein Werk, das wirklich die Sinne berührt und als ideales Handbuch für die praktische Mikroskopie dient. Schon der Einband belegt dies. Denn wer mikroskopieren will, muss sicher sein, dass das Buch wirklich gut auf dem Tisch liegt und nicht die Seiten von selbst fallen. Auch die Qualität des Papiers ist wie das Layout hervorragend. Nicht nur die vielen Farbabbildungen und Fotos, sondern ebenso die farbig unterlegten Überschriften und die Tabellen zu Beginn eines jeden Kapitels, die eine Übersicht über die Präparate und der verwendeten Methode geben, machen es zu einem optischen und informativen Genuss.

An den Seiten finden sich viele Anmerkungen, kurze Erklärungen oder Pfeile, die Hinweis zu den methodischen und technischen Seiten geben. Das erleichtert ungemein die Arbeit. Jedes Kapitel endet mit Literaturangaben zum Weiterlesen. Einen ausführlichen 15-seitigen Literaturanhang liefert der Autor, neben einem Sachregister und nützlichen Adressen, am Ende des Buchs ebenfalls.

Die insgesamt 317 Seiten werden in neun Kapiteln verstaut. Kapitel drei bis acht behandeln die unterschiedlichen Lebewesen, die der Autor als Präparate eingesetzt hat. Das erste Kapitel gibt einen Überblick über die Geschichte der Mikroskopie. Im zweiten Kapitel stellt der Autor die Herstellung einfacher Präparate wie etwa Kristalle aus Lösungen, Steine, Stacheln, Schalen, Fäden oder Folien vor. Im dritten Kapitel beginnt der Autor schließlich mit den eigentlichen, lebenden Präparaten. Hier geht es um Viren, Bakterien und Blaualgen, die er mit "An der Schwelle des Lebens" umschreibt. Treffender kann man für diese Objekte die Überschrift nicht wählen.

Das Kapitel "Die Zelle und ihre Bestandteile" schließt daran an. Wunderbar finde ich hier die Beschreibung der Darstellungsmöglichkeiten für Chromosomen. Im fünften Kapitel beschreibt der Autor wie der Leser bzw. Praktiker einen Heuaufguss bereiten kann. Denn darin findet er tolle Objekte – Einzeller –, die sich hervorragend zum Mikroskopieren eignen. Natürlich dürfen in so einem Buch die Pilze nicht fehlen. Diesen widmet sich der Autor im siebten Kapitel. Das größte Kapitel nehmen jedoch die Pflanzen ein. Auf etwa 70 Seiten geht es "quer durch den Garten" und zu Wurzeln, Pollen, Samen, verschiedene Blüten, Nadeln, Blätter, Moose, Farne, dem Leitgewebe, der Epidermis und um die vielen Anpassungen der Gewächse an ihre Umwelt.

Im achten Kapitel kommen dann auch die Tiere an die Reihe. Hier wird der Leser in die spannende Welt der Wirbellosen eingeführt, er erfährt etwas über kleine Arthropoden und die vielen Möglichkeiten der Körperbedeckung: Schuppen, Schilde, Federn und Haare. Und das natürlich alles unter dem Mikroskop. Das letzte Kapitel wendet sich dann noch Methoden und Techniken zu, das für jeden begeisterten Mikroskopierer eine wahre Fundgrube sein dürfte. Auf 40 Seiten werden grundlegende Arbeits- und Präparationstechniken, Färbetechniken, Kulturtechniken und sogar eine kurze Einführung in die Beobachtungs- und Beleuchtungstechnik vermittelt.

Die Methodensammlung lässt keine Wünsche offen: Von Methylenblau über Burrischer Tuscheausstrich zu Karmin und auch Astralblaufärbemethoden ist für jeden etwas dabei. Dabei sind die Beschreibungen so verständlich, dass man auch als Anfänger keine Probleme hat, den Rezepten "nachzugehen".

Ein Praxisbuch lebt davon, dass es auch praktisch eingesetzt wird. Genau das habe ich dann gemacht, es im Schulunterricht in der Oberstufe mitgenommen und die Schüler gebeten, unterschiedliche Präparate herzustellen. Wir haben Blätter des Oleanders, der Pfingstrose, Federn der Kohlmeise und Taube sowie die Mundwerkzeuge von Spinnen und der Stubenfliege betrachtet. Die Schüler konnten gut mit den Beschreibungen umgehen und hatten viel Spaß dabei.

Nur eines muss – am Rande – bemängelt werden: Vermisst habe ich den Maßstab bei den vielen Bildern, um auch Schülern ein Gefühl für die Größe (eher Winzigkeit) der Objekte zu vermitteln. Insgesamt überzeugt das Werk jedoch in allen Punkten, da selbst ich als Biologin und begeisterte Mikroskopiererin noch vieles dazu lernen konnte.

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