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Verlorene Spuren

Schicht für Schicht muss der Leser freilegen, wenn er sich mit Ceram auf Spurensuche nach den indianischen Kulturen Nordamerikas begibt. Denn die Neuausgabe des 1972 erstmals erschienenen Buchs "Der erste Amerikaner" verliert sich leider in zahlreichen Anekdötchen, aus denen sich Informationen nur mühsam herausziehen lassen. Hannelore Marek, die Ehefrau des 1972 verstorbenen Autors, der auf den bürgerlichen Namen Kurt Marek hörte, hat versucht, das Werk ihres Mannes zu aktualisieren und zu erweitern.Und das Buch beginnt durchaus vielversprechend: Ceram schildert den Versuch der Wikinger, in Nordamerika Fuß zu fassen, und die durch Goldgier angetriebene Suche spanischer Eroberer nach den legendären "Sieben Städten von Cibola" im Südwesten der heutigen USA. Doch spätestens ab dem dritten Kapitel verlieren sich die Spuren. Ceram erzählt nicht die Geschichte prähistorischer Indianerkulturen, sondern Geschichtchen über deren Entdeckung. Die Beschreibung seiner Helden, den nordamerikanischen Archäologen, strotzt mitunter vor Patriotismus, dennoch bleiben sie eher blass und farblos, da Ceram häufig hin und her springt und abschweift.Gelegentlich driftet das Buch zu einem Reiseführer ab, wobei sich der Autor nicht zwischen den Schreibweisen "Canyon" oder "Cañon" entscheiden kann. Dafür bezeichnet er konsequent das Kohlenstoffisotop 14C als "C14". Und die eine oder andere Karte, versehen mit einer Legende, wäre durchaus hilfreich gewesen wäre. Warum Ceram schließlich ein ganzes Kapitel einer bizarren Fossilienfälschung widmet, bleibt dem geduldigen Leser verschlossen. Dafür fehlen wichtige aktuelle Forschungsergebnisse. So sucht der Leser vergeblich nach den konkurrierenden Modellen zur Besiedlung Amerikas, die derzeit heftig diskutiert werden. Auf 391 Seiten lässt sich zwar viel Interessantes und Wissenswertes über die nordamerikanischen Indianerkulturen finden — aber man muss danach suchen.

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