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Ein Meisterwerk der Astrofotografie

Nein, als Bettlektüre eignet sich dieser Bildband nicht. Der Tisch muss groß sein, auf dem man dieses monumentale Werk betrachtet, in ihm schmökert und sich von seinen Himmelsbildern verzaubern lässt. Eckhard Slawik präsentiert in seinem jüngsten Buch Astrofotografien, die sich in dieser Pracht und Vollständigkeit nirgends finden.

Was erwartet den Käufer dieses opulenten – und recht teuren – "Routenplaners"? In vier Kapiteln entführt "Der Sternenhimmel" den Leser auf eine kosmische Reise, die mit der Sonne startet. Bereits die erste Bilderreihe, die das hellste Himmelsobjekt lückenlos über 35 Tage zeigt, setzt Maßstäbe. Zu sehen sind die Rotation unseres Zentralgestirns, die Bewegung von Sonnenflecken über die Sternoberfläche und das Werden und Vergehen einzelner Sonnenflecken. Auch die zweite Bilderserie der Sonne ist einmalig: Wie ein Film dokumentiert sie die Entwicklung von sieben Sonnenflecken und Fleckengruppen über den Zeitraum von sechs Tagen, ebenfalls lückenlos und äußerst detailliert.

Dem Kinderlied "Sonne, Mond und Sterne" getreu, folgen im zweiten Teil Ansichten des Erdtrabanten. Prachtvolle, ganzseitige Fotografien des Monds umfassen einen vollständigen Zyklus mit allen Phasengestalten – über 28 Tage. Slawik fotografierte diese komplette Bilderserie in höchster Aufnahmequalität von La Palma aus. Wie seine Bildlegende zum siebzehnten Mondportrait illustriert, hätte widriges Wetter dem Projekt fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit einem Bonbon schließt das Mond-Kapitel, nämlich mit zwei wunderbaren Aufnahmen einer Saturnbedeckung durch den Erdtrabanten. Auch jene, die den Mond bereits gut zu kennen glauben, werden von Slawiks Fotografien begeistert sein und neue Impulse für eigene Mondbeobachtungen erhalten.

Gegenstand des dritten Teils sind Fotografien des Sternenhimmels. Beachtlich ist das große Gesichtsfeld der Himmelsaufnahmen: 120 x 150 Grad. Jede Aufnahme findet sich zweimal, jeweils auf der linken Seite mit Sternbildern, rechts ohne Einträge. Slawik unterteilt den Nordsternhimmel in insgesamt vier Jahreszeiten-Aufnahmen und zeigt ihn so, wie er sich einem Betrachter von Europa aus im Jahresverlauf darstellt. Doch damit nicht genug: Es gibt von jeder Jahreszeit drei Bilder, die an drei Orten mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen aufgenommen wurden.

Mit den drei Versionen der großformatigen Himmelsbilder sieht der Betrachter den Unterschied zwischen einem hellen Stadthimmel, einem grauen Landhimmel und einem tiefdunklen Gebirgshimmel. Wer durch die Doppelseiten blättert, den quält das Einheitsgrau, hinter dem die meisten lichtschwachen Himmelsobjekte nahezu vollständig verschwinden. "Einmal sehen ist besser als hundertmal hören", lautet ein chinesisches Sprichwort. Dieser Bildband dokumentiert die Problematik "Lichtverschmutzung" eindrucksvoller als mit tausend Worten.

Große Fotografien prächtiger Himmelsobjekte runden jede Jahreszeiten-Aufnahme ab und Texte erläutern Himmels-Highlights der Saison. Eine besondere Perle dieses Buchs sind zwei ausklappbare Himmelspanoramen, die jeweils aus vielen Einzelbildern zusammen gesetzt sind. Das erste Poster zeigt die Milchstraße in voller Pracht und bietet einen imaginären 360-Grad-Rundumblick. Aufgenommen hat Slawik den Südsternhimmel in der Atacama-Wüste und den Nordsternhimmel auf La Palma. Das zweite Panorama der Tierkreissternbilder orientiert sich an der Ekliptik und zeigt einen Ausschnitt von 50 Grad nördlicher Breite bis 50 Grad südlicher Breite. Das erste Poster ist etwa 151 x 37 Zentimeter groß, das zweite etwa 135 x 42 Zentimeter, und beide sind auf noch stärkerem Hochglanzpapier gedruckt als das Buch selbst. Gerne möchte man sich diese brillanten Himmelsansichten rahmen und an die Wand hängen.

Die Qualität der Astrofotos dieses Bildbands ist durchweg herausragend und zeigt, wie virtuos Slawik sein Handwerk beherrscht. Seine Fotografien haben dokumentarischen Charakter und gleichsam hohen ästhetischen Reiz. Der Sterngucker ahnt vage, wie viel Geduld, Reisetätigkeit und PC-Arbeiten sich in diesen Himmelsaufnahmen verbergen. Die Druckqualität des Werks ist sehr hoch. Das Papier ist schwer, das der beiden Panoramen noch schwerer, die zusätzlich oberflächenveredelt sind. Ein schöner Nebeneffekt des hochwertigen Papiers, auf dem dieses zeitlose Buch gedruckt ist: Es ist gegen Knicke und Fingerabdrücke weitgehend unempfindlich.

Die Texte insbesondere des abschließenden Kapitels "Was Sie vielleicht noch interessiert" erläutern auch technische Details zur Entstehung der Aufnahmen. Slawik hat immer wieder Anekdoten zur Entstehung einzelner Himmelsfotografien eingestreut, die seinem Buch eine sehr persönliche Note geben.

Wer sich gerne entführen lässt in die Welt der Astronomie und noch nicht viel weiß über den Blick in unsere kosmische Nachbarschaft, der liegt mit diesem Bildband goldrichtig. Der berühmte "alte Hase" wird Altbekanntes ganz neu sehen – und vielleicht aktiver gegen "Lichtverschmutzung" vorgehen, die vielen Erdbewohnern den Blick auf das Kulturgut "Sternenhimmel" zunehmend verwischt. Eckhard Slawiks "Der Sternenhimmel" ist ein wahrlich großes Buch, das jeden Cent seines Kaufpreises wert ist. Nur das Bücherregal muss erst erfunden werden, in dem dieser Bildband seinen Platz findet.

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  • Quellen
Sterne und Weltraum 1/2012

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