Der Elefant im Oberstübchen
"Ich glaube nur, was ich gesehen habe", lautet eine weit verbreitete Einstellung. Offensichtlich haben Bilder enorme Überzeugungskraft. Dabei vergessen jedoch viele, dass der Mensch nicht nur mit den Augen sieht, sondern vor allem mit dem Gehirn. Wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, Bilder in unserem Kopf zu erzeugen, bringt der Neuropsychologe und Psychotherapeut Erich Kasten seinen Lesern mit diesem Buch auf anschauliche Weise nahe.
Längst nicht immer ist das, was wir wahrzunehmen glauben, tatsächlich vorhanden: Wir können in Gedanken Krokodile oder Elefanten vor uns sehen, obwohl wir in Wirklichkeit gerade ein Buch lesen. Einem gesunden Menschen fällt es normalerweise leicht zu erkennen, welche Bilder seiner Fantasie entspringen. Doch verschiedene Faktoren können dazu führen, dass sich dieses scheinbar untrügliche Gespür für die Realität auflöst.
Zu Halluzinationen kommt es zum Beispiel nach der Einnahme von Substanzen wie LSD oder Alkohol – oder einfach, wenn sich das Gehirn "langweilt". Isolationsexperimente zeigten, dass gesunde Menschen in der reizarmen Umgebung eines Bunkers meist früher oder später zu halluzinieren beginnen. Eine Unterversorgung mit aktuellen Informationen nötigt das Gehirn in dieser Situation dazu, sich selbst zu stimulieren, indem es Daten aus dem Gedächtnis abruft. Solche Sinnestäuschungen gehen also nicht zwangsläufig auf eine psychische Störung zurück. Ob jemand Halluzinationen als bedrohlich oder interessant bewertet, hängt zudem vor allem von der persönlichen Einstellung ab, erklärt Kasten.
Ähnlich wie die Halluzination aus Langeweile erklärt der Autor das nächtliche Traumgeschehen als eine Folge mangelnder Stimulation. Träume glichen demnach eher einer Art Jogging der Gehirnzellen als dem Freud’schen »Königsweg zum Unbewussten«. Auch besondere Kreativität bringt er mit Halluzinationen in Verbindung: Viele Künstler besäßen die Gabe, ihre Werke plastisch vor sich zu sehen, ehe sie auch nur den ersten Pinselstrich setzen. Es scheint, als unterschieden sich Halluzinationen von einer blühenden Fantasie mitunter nur durch die Aktivität weniger Nervenzellen.
Kasten vermeidet es, Theorien detailliert auszuführen oder seine Ansichten dogmatisch zu verteidigen. Stattdessen beschreibt er distanziert Phänomene und experimentelle Befunde. Dabei lässt er in einer Vielzahl von Fallbeispielen die Betroffenen selbst zu Wort kommen – schließlich seien Trugbilder subjektive Erlebnisse, die sich nicht so einfach vermessen ließen. Deshalb nähert sich der Neuropsychologe dem Thema bevorzugt über Erfahrungsberichte, die er dem Leser zur Kenntnis bringt: Seine umfangreiche Sammlung reiht innere Bilder von Künstlern, traumatisierten sowie schizophrenen Patienten aneinander und setzt das breite Spektrum der menschlichen Wahrnehmung mit über 50 Abbildungen auch visuell um.
Dank der sachlichen und mitunter humorvollen Darstellung verliert das Phänomen Halluzination seine unheimliche Anmutung. Manche Zusammenhänge bleiben zwar unerklärt, aber wer auf der Suche nach neuen Anregungen ist, wird mit diesem Fundus sicher auf seine Kosten kommen.
Längst nicht immer ist das, was wir wahrzunehmen glauben, tatsächlich vorhanden: Wir können in Gedanken Krokodile oder Elefanten vor uns sehen, obwohl wir in Wirklichkeit gerade ein Buch lesen. Einem gesunden Menschen fällt es normalerweise leicht zu erkennen, welche Bilder seiner Fantasie entspringen. Doch verschiedene Faktoren können dazu führen, dass sich dieses scheinbar untrügliche Gespür für die Realität auflöst.
Zu Halluzinationen kommt es zum Beispiel nach der Einnahme von Substanzen wie LSD oder Alkohol – oder einfach, wenn sich das Gehirn "langweilt". Isolationsexperimente zeigten, dass gesunde Menschen in der reizarmen Umgebung eines Bunkers meist früher oder später zu halluzinieren beginnen. Eine Unterversorgung mit aktuellen Informationen nötigt das Gehirn in dieser Situation dazu, sich selbst zu stimulieren, indem es Daten aus dem Gedächtnis abruft. Solche Sinnestäuschungen gehen also nicht zwangsläufig auf eine psychische Störung zurück. Ob jemand Halluzinationen als bedrohlich oder interessant bewertet, hängt zudem vor allem von der persönlichen Einstellung ab, erklärt Kasten.
Ähnlich wie die Halluzination aus Langeweile erklärt der Autor das nächtliche Traumgeschehen als eine Folge mangelnder Stimulation. Träume glichen demnach eher einer Art Jogging der Gehirnzellen als dem Freud’schen »Königsweg zum Unbewussten«. Auch besondere Kreativität bringt er mit Halluzinationen in Verbindung: Viele Künstler besäßen die Gabe, ihre Werke plastisch vor sich zu sehen, ehe sie auch nur den ersten Pinselstrich setzen. Es scheint, als unterschieden sich Halluzinationen von einer blühenden Fantasie mitunter nur durch die Aktivität weniger Nervenzellen.
Kasten vermeidet es, Theorien detailliert auszuführen oder seine Ansichten dogmatisch zu verteidigen. Stattdessen beschreibt er distanziert Phänomene und experimentelle Befunde. Dabei lässt er in einer Vielzahl von Fallbeispielen die Betroffenen selbst zu Wort kommen – schließlich seien Trugbilder subjektive Erlebnisse, die sich nicht so einfach vermessen ließen. Deshalb nähert sich der Neuropsychologe dem Thema bevorzugt über Erfahrungsberichte, die er dem Leser zur Kenntnis bringt: Seine umfangreiche Sammlung reiht innere Bilder von Künstlern, traumatisierten sowie schizophrenen Patienten aneinander und setzt das breite Spektrum der menschlichen Wahrnehmung mit über 50 Abbildungen auch visuell um.
Dank der sachlichen und mitunter humorvollen Darstellung verliert das Phänomen Halluzination seine unheimliche Anmutung. Manche Zusammenhänge bleiben zwar unerklärt, aber wer auf der Suche nach neuen Anregungen ist, wird mit diesem Fundus sicher auf seine Kosten kommen.
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