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Fernstudium im Kinderzimmer

"Wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm!" Dieses Motto ist Kindern ein Begriff und sollte nicht nur für die einfachen Fragen des Kinderalltags, sondern erst recht für die komplizierten Dinge des Lebens gelten. Dass es nicht immer das Fernsehen sein muss, sondern es auch ein Universitätshörsaal sein kann, und dass nicht nur Armin, Christoph oder Samson und Pepe als Vermittler in Frage kommen, sondern gestandene Hochschullehrer ihr Fach auch kindgerecht präsentieren können, hat das Projekt "Die Kinder-Uni" an der Universität Tübingen im Sommersemester 2002 erfolgreich bewiesen. Mehr als 5000 Kinder im Alter zwischen sieben und 12 Jahren zog es jeden Dienstag in den Hörsaal um eine von acht Vorlesungen zu verfolgen. Und das Sommersemester 2003 verspricht weitere interessante Themen.

Allen, die im Sommer 2002 nicht selbst vor Ort waren, haben die Initiatoren nun den "Mitschrieb" der Lehrveranstaltungen in Buchform zusammen gestellt, wobei sie von den Vortragenden wissenschaftlich beraten wurden. Wer mehr über die beteiligten Forscher und ihre Gründe zur Berufswahl erfahren will, kann dies in Porträts am Ende des Buches nachlesen.

Mit dem Untertitel "Forscher erklären die Rätsel der Welt" haben die Leser der "Kinder-Uni" die Möglichkeit, gleichsam im Fernstudium den Stoff nachzuarbeiten. Die Themenvielfalt ist dabei groß und die Verfasser haben mit Sicherheit Themen gewählt, die ihr Publikum in jedem Fall interessieren. Von der eher simplen, aber trotzdem Kindergedanken bewegenden Frage, warum die Dinosaurier ausgestorben sind, geht es weiter zu der im wahrsten Sinne des Wortes brennenden Frage, warum Vulkane Feuer spucken. Auch das Thema, dass der Mensch vom Affen abstammt, wird aufgegriffen und wie alle Beiträge in einer altersgerechten Sprache ansprechend dargestellt.

Im Unterschied zu so manchem Lehrbuch, mit dem sich die großen Kommilitonen abmühen müssen, ist "Die Kinder-Uni" von Klaus Ensikat liebevoll illustriert worden, sodass bereits das Durchblättern des Buches die Neugier auf den Text weckt. Zahlreiche kleine Info-Kästen erklären Fachbegriffe oder stellen wichtige Konzepte bzw. Persönlichkeiten vor. Die Antworten auf die Eingangsfragen werden dabei sehr ausführlich beantwortet, sodass am Ende des jeweiligen Kapitels eine Vielzahl weiterer, vielleicht noch ungestellter Fragen mitbeantwortet worden sind.

Die "Kinder-Uni" widmet sich nicht nur eher Vordergründingendem, sie wagt sich auch an wirklich Schwieriges heran: Warum Menschen sterben müssen oder warum es Arme und Reiche auf der Welt gibt, sind Fragen, die auch Eltern ihren Kindern nicht immer einfach erklären können. Ähnlich ist es mit dem Kapitel, das aus Sicht der Religionswissenschaften zu einem besseren Verständnis von Christen und Muslimen führen kann. Hinter der harmlos klingenden Frage, warum Muslime auf Teppichen beten, verbirgt sich ein lesenswerter Text zu den Weltreligionen, der den Bogen vom Begriff Engel bis zum Dschihad spannt.

Deshalb richtet sich das Buch nicht nur an Sechs- bis Zwölfjährige, sondern ist auch eine lesenswerte Lektüre für Eltern, Erzieher und Lehrer. Und dies in doppelter Hinsicht: Neben der Möglichkeit, sein eigenes Wissen aufzufrischen oder zu vertiefen, werden wichtige Themen in kindgerechter Form präsentiert, sodass eine Weitergabe an Kinder einfacher wird. Wer vor den schwierigen Themen zurückschreckt, dem bietet die "Kinder-Uni" auch Unterhaltsames. Wer wollte nicht schon immer wissen, warum wir über Witze lachen. Und schließlich lässt das Buch auch nicht die Frage aller Kinderfragen aus: "Warum ist Schule doof"? Schon deshalb sollte "Die Kinder-Uni" in keinem Kinderzimmer fehlen.

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