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Kochen auf das Molekül gebracht

Bereits auf den ersten Seiten dieses Buchs musste ich mir zwei Gruppen von Lesern vorstellen, für die dieses Buch Pflichtlektüre sein sollte: Auf der einen Seite das Modell "Bildungsbürgertum in seiner schlimmsten Form", das Naturwissenschaften für unnötig, aber Kochkunst, besonders italienische, als unabdingbar für einen angemessenen Lebensstil hält. Und in der anderen Ecke den landläufig als "verdreht" bezeichneten Naturwissenschaftler, der viel von seiner Wissenschaft versteht, aber mit den "alltäglichen Dinge" des Lebens eher überfordert ist.

Beide Gruppen können mit "Die Molekül-Küche" von Thomas Vilgis, einem Mainzer Professor für theoretische Physik, auf schonende und unterhaltsame Weise an ihre Problem- und vielleicht sogar Angstzone herangeführt werden. Wer sich zu keiner der beiden Gruppen zughörig fühlt, wird mit diesem Buch einfach viel Spaß haben und viele interessante, überraschende und vielleicht auch neue Dinge rund um die Themen "Kochen und Backen" erfahren.

Wem ist schon bewusst, welche physiologischen Hintergründe hinter einem Aperetif, wie Martini (egal ob geschüttelt oder gerührt) stecken? Oder wer kann schon sagen, welche physikalischen Unterschiede Kaffee und Espresso haben?

All dieses Wissen vermittelt Vilgis Buch "Die Molekül-Küche" in leicht verständlicher, unterhaltsamer Form, abgerundet durch Anregungen zu eigenen Kochversuchen. Besonders angenehm: Der Autor verfällt nicht der modernen Unsitte, in der Art (häufig selbsternannter) ErnährungsberaterInnen moralisierend mit erhobenem Zeigefinger die Leser bevormunden zu wollen. Um die Philosophie dieses Buches zu verstehen empfehle ich den Schluss des 2. Kapitels. "Genießen Sie also Ihre Stoffchemie. Bereiten Sie alles so zu, wie es Ihnen schmeckt, aber lassen Sie ein paar Grundregeln aus der Chemie nicht außer Acht, dann kann eigentlich küchentechnisch nichts passieren."

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