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Die tollste Show der Welt

Richard Dawkins Buch "Die Schöpfungslüge. Warum Darwin recht hat" – im englischen Original feinsinniger und hinterlistiger mit "The greatest show on earth" betitelt – braucht keine lange Rezension. Der Evolutionsbiologe Dawkins – emeritierter Professor für "Public Understanding of Science" der Universität Oxford – hat bereits mehrere internationale Bestseller zu seinem Lebensthema, der Evolution, vorgelegt. Er hat schon gezeigt, dass er lebendig, verständlich und packend über komplexe biologische Themen schreiben kann. Und er hat auf oft forsche, aber zugleich humorvolle und tiefsinnige Weise seine Abneigung gegen religiöse Verblendung und teleologische Pseudowissenschaft zum Ausdruck gebracht.

Kombiniert man diese Zutaten, hat man das Fundament des Buches beisammen: Auf etwa 500 Seiten, in 13 Kapiteln und untermalt durch zahlreiche Abbildungen streitet Dawkins klug, fundiert, witzig, aggressiv und abwechslungsreich für Darwins Evolutionstheorie – und gegen kreationistische und religiöse Konzepte. Daraus ergibt sich eine zweigeteilte Zielgruppe für den Schmöker: zum einen Naturwissenschaftler, biologisch Interessierte, Aufgeschlossene, die sich darüber freuen, die (ohnehin als das beste Gedankengerüst auf dem Markt gewürdigte) Evolutionstheorie nochmal auf besonders bildhafte, begeisternde und innovative Weise dargelegt zu bekommen. Überraschungen bezüglich der präsentierten Beispiele und Metaphern sollten dabei für jeden noch so biologisch Vorbelasteten dabei sein.

Die zweite Zielgruppe – die eine Lektüre viel notwendiger hätte – bilden die Kreationisten, die evolutionsmäßig ungläubigen Gläubigen, die Gotteskrieger, Fossilienverleugner und Anthropozentriker. Kurzum: zum Beispiel die vierzig Prozent aller US-Amerikaner, die die Evolutionstheorie ablehnen, wie Dawkins am Ende des Buches aus Meinungsumfragen zitiert. Hier gäbe es also wahrlich Aufklärungsbedarf und millionenfache Absatzmöglichkeiten für das Buch. Doch diese Zielgruppe wird das Buch wohl leider weitest gehend im Bücherregal stehen lassen.

Zusammenfassend lässt sich trotzdem – oder gerade deswegen – für alle potenziellen Zielgruppen festhalten: Lest dieses Buch. Es macht klüger. Und es macht Spaß.

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