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Geschichtsführung durch das Periodensystem

Autor Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger war Forschungsvorstand der BASF, und mit Hilfe einiger Freunde und Kollegen entstand dieses wirklich erstklassigen Buch über die "Welt der Elemente". Kurz und prägnant wird jedes Element auf mindestens einer halben Seite vorgestellt – den wesentlichen Elementen wie Wasser-, Stick- oder Sauerstoff, Silizium, Kupfer und Gold gönnt der Autor noch mehr, um ihre Geschichte wirklich zu würdigen.. Sehr strukturiert listet er immer Name, Entdecker, Eigenschaften, Atomgewicht und Ordnungszahl auf. Doch der Leser sei gewarnt, nicht von vorne nach hinten soll er es lesen, sondern er soll irgendein Element suchen und lesen. Die Geschichten ihrer Entdeckung sind jedesmal reichhaltig und lehrreich.

In kurzen, den Elementbeschreibungen vorangestellten Kapiteln, wird auch zur Geschichte viel Interessantes angeboten: 1860 etwa fand eine Übereinkunft über die Atomgewichte in Karlsruhe statt. Diese wurden damals den bekannten rund 60 Elementen zugeteilt, und so entstand eine naheliegende lineare Anordnung der Elemente. Diese machten chemisch allerdings keinen Sinn, was den Forschergeist weckte. 1864 erkannte man dann, dass jeweils im Intervall von acht Elementen sich auffallende Ähnlichkeiten zeigten. Doch es war schließlich ein Geniestreich von Dimitri Mendelejew notwendig, um die gefundene Periodizität auf das gesamte Reich der Elemente auszudehnen. Es gab noch einige Lücken zu schließen, doch die Welt der Materie war einigermaßen abgesteckt'.

Auch die Entstehungsgeschichte der Elemente kommt nicht zu kurz und wird lebendig erzählt: Da keine Religion Aussagen darüber machte, auf welche Weise und wie viele Elemente erschaffen wurden, konnten sich Mythen und Phantasien völlig frei entfalten – etwas Alchemie war natürlich auch am Anfang dabei. Als Newton die Gesetze der Physik als "in der Sprache der Mathematik geschrieben erkannt hatte; hinkte die Chemie immer noch ein paar Jahrzehnte hinterher.

Überhaupt hat sich seit damals viel geändert. Die Organische Chemie zum Beispiel war lange Zeit so konzentriert, wie die Moleküle reagieren; heute zeigen die Lebensprozesse dagegen vor allem wie die Moleküle kooperieren. Auf der anderen Seite steht die Geschichte des Atom-Schalenmodells, das sich wegen seiner Anschaulichkeit bis heute gehalten hat. Passend dazu ist die Ahnenreihe der Vordenker der Chemie – eine sehr hübsche Idee: Avogadro, Röntgen, Becquerel und noch viele andere mehr entwickelten über die Jahrhunderte das Atommodell weiter.

Der Autor schließt mit Gedanken über die Zukunft: Die Zahl der chemischen Verbindungen ist mindestens 30 Millionen Möglichkeiten groß, und sie wächst weiter. Unser Wissen über Phänomene der Selbstorganisation von Molekülen und ebenso über Moleküle mit funktionalen Eigenschaften ist erst im Entstehen. Auch stehen Chemie und Biologie gerade am Anfang, die komplexen Lebensvorgänge auf molekularer Ebene zu klären und zu verstehen: Der Weg dürfte noch lang sein, die Überraschungen groß!

Erwähnenswert ist zudem auch noch das Sammelsurium am Schluss des Buches: Mit einfachen (und kurzen) Zusammenfassungen rekapituliert Quadbeck-Seeger das zuvor vermittelte Wissen. Fragen wie: "Was ist das Leben?" und "Warum will alles Leben leben?" werden aufgeworfen. Dazu kommen teils amüsante, teils sehr lehrreiche Statistiken über Elemente, die nach Orten benannt sind (zum Beispiel Lutetium, was der lateinische Name für Paris ist oder Hafnium, lateinisch für Kopenhagen) wechseln mit der Chronologie der Entdeckungen, den Entdeckungsorten, zum Atomradius, der Ionisierungsenergie oder der Weltproduktion der Elemente schließt das Buch.

Kurz gesagt ist "Die Welt der Elemente" eine Fundgrube an Fakten, die sehr gut aufbereitet und didaktisch sehr ansprechend sind – ein Muss für die Schule und alle jene, die sich ihr Chemiewissen aktuell halten wollen.

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