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Keine Experimente mit Erde und Planeten — Bergmann-Schäfer!

Wer das erste mal den Titel der Buchreihe „Lehrbuch der Experimentalphysik“ in Verbindung mit den Bandbezeichnungen „Erde und Planeten“ liest, der wird sich etwas verwundert fragen, wie man mit dem Himmel Experimente machen kann. Die traditionsreiche Buchreihe des „Bergmann-Schäfer“ versteht aber Experimentalphysik als Gegenstück zur theoretischen Physik, und so ist diese ganze Bücherserie nicht als Anleitung zu eigenen Experimenten gedacht, sondern wirklich als Lehrbuch für praktische Physik.Die strenge Unterteilung des Buches in einzelne Kapitel, die von ausgewählten Autoren verfasst wurden, erinnert eher an eine wissenschaftliche Monographie als an ein Lehrbuch. Diese Aufteilung schadet aber der Vermittlung von Wissen keineswegs. Um aus diesem Band des „Bergmann Schäfer“ wirklich Nutzen und neues Wissen ziehen zu können, ist ein grundlegendes, allgemein-physikalisches Verständnis allein nicht ausreichend. Zumindest die wichtigsten physikalischen Formeln und Begriffe sollten vom Leser vor (!) der Lektüre dieser Bände beherrscht werden. Zusätzlich zum profunden Fachwissen, das in den einzelnen Bänden vermittelt wird, versorgen die Autoren ihre Leser nicht nur mit weiterführenden Literaturstellen, sondern auch mit Internetseiten, auf denen aktuelle Daten und neue Entwicklungen bzw. Erkenntnisse bereitgestellt werden. Dies ist heute, kurz nach dem dieser Band neu überarbeitet aufgelegt wurde, sicher sehr hilfreich, besonders für einzelne Themengebiete, wie z.B. die Meteorologie mit ihren vielen aktuellen Veränderungen. Es bleibt aber die Frage, wie lange diese Links in der schnelllebigen Internetzeit wirklich aktuell und erreichbar sind. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass man sich Werke wie das Bergmann-Schäfer „Lehrbuch der Experimentalphysik“ nur einmal im Leben kauft und auch in öffentlichen Bibliotheken derartige Buchreihen sehr viele Jahre genutzt werden, auch wenn bereits neue Auflagen erschienen sind.Wer aus der Bandbezeichnung „Erde und Planeten“ schließt, dass jetzt 700 Seiten lang die Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto, garniert durch Monde, Asteroide und Kometen abgearbeitet werden, der wird positiv überrascht sein. Im Band 7 wird die Physik, die für unsere Erde bzw. alle Planeten und Objekte unseres Sonnensystems (natürlich ohne unser Zentralgestirn) relevant ist, eingehend besprochen und sie bestimmt auch die Unterteilung der einzelnen Kapitel. So finden sich Abschnitte über Geophysik, Ozeanographie, Meteorologie und Klimatologie ebenso wie Planetologie, Planetenatmosphäre und -magnetosphäre. Damit bleibt der Band „Erde und Planeten“ seinem Anspruch, ein Lehrbuch für Experimentalphysik zu sein, treu und geht deutlich über das hinaus, was man astronomisch von einer solchen Bandbezeichnung erwartet.Wie oben bereits erwähnt, ist dieser Band nicht für den völlig unbedarften Einsteiger gedacht. Er richten sich viel mehr an den informierten, vorgebildeten Leser, der die einzelnen Themengebiete vertiefen möchte, um dann auch für eine Spezialisierung und evtl. auch Originalliteratur gerüstet zu sein. Auf Grund der breiten und umfassenden Abdeckung nahezu aller für die Astronomie wirklich relevanten Themenbereiche dieses Bandes, besonders in Verbindung mit dem zweiten astronomischen Band „Sterne und Weltraum“, sollten diese beiden Bände in keiner astronomischen Bibliothek fehlen, und sie sind auch dem wirklich astronomisch interessierten Leser privat zu empfehlen.

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