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Wie Ernährung die Gesundheit beeinflusst

Man ist, was man isst, heißt es. Dass dieses Sprichwort keine leere Phrase, sondern aus wissenschaftlicher Sicht gar nicht mal so abwegig ist, versteht man spätestens nach der lohnenden Lektüre des Lehrbuchs "Ernährungsmedizin". Als das Werk vor 16 Jahren zum ersten Mal erschien, steckte dieses Fachgebiet noch in den Kinderschuhen und wurde in etablierten Medizinerkreisen kritisch beäugt. So gab es damals lediglich einen Kurs für Ernährungsmedizin für Medizinstudenten und Ärzte an einer Hochschule Deutschlands. Mittlerweile existieren bereits fünf Institute für Ernährungsmedizin an den deutschen Universitäten, und das wachsende Interesse an dem Fach machte bereits die vierte Auflage der "Ernährungsmedizin" fast zwingend notwendig. Sie wurde in Zusammenarbeit von Konrad Biesalski, Stephan Bischoff und Christoph Puchstein herausgegeben.

Insgesamt 92 Autoren arbeiteten an dem knapp 1150 Seiten schweren Lehrbuch, das allein optisch schon einiges hermacht: Das gesamte Werk hat ein zeitgemäßes Layout und ist durchgehend farbig gestaltet. Das unterstreicht nicht nur die sehr klare Gliederung, sondern erleichtert auch das Nachschlagen. Das Buch ist mit insgesamt 230 Abbildungen und 276 Tabellen gespickt, die zum einen nützliche Informationen enthalten und zum anderen helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen. Jedes Kapitel beginnt mit einer farblich unterlegten Textbox, in der das Wichtigste in Kürze steht. Außerdem gibt es am Anfang eines jeden Kapitels Schlüsselwörter, die auf den Inhalt des Kapitels hinweisen. Fast auf jeder Seite finden sich außerdem kleine Textboxen, mit denen die Autoren Empfehlungen für die Praxis und Ernährung geben.

Das umfassende Werk ist so leicht verständlich geschrieben, dass es stellenweise sogar unterhaltsam ist – was in der Tat nicht von jedem Lehrbuch behauptet werden kann. Weiteres Plus: Die einzelnen Abschnitte haben eine übersichtliche Länge, und zahlreiche Zwischenüberschriften und fettgedruckte Begriffe machen das Buch enorm benutzerfreundlich. Außerdem sehr sympathisch: Jedem Kapitel ist eine ausführliche Literaturliste angehängt, die es jedem Interessierten ermöglichen, die Originalquellen zu Rate zu ziehen. Und im Anhang des Werkes befinden sich die DACH-Referenzwerte, also Richtlinien für die Nährstoffzufuhr. Das ausführliche Sachverzeichnis am Ende versteht sich bei einem solchen Buch im Grunde von selbst.

Den Anfang des Buches meistern die Autoren mit den Grundlagen der Ernährung: Während sie eingangs den wissenschaftlichen Hintergrund der Paläoernährung diskutieren, finden im weiteren sekundäre Pflanzenstoffe, Probiotika, Ballaststoffe und Spurenelemente genauso viel Beachtung wie die Vitamine, Kohlenhydrate, Proteine und Fette. Das zweite Kapitel widmet sich der Ernährungsprävention bei Risikogruppen, das dritte dem Übergewicht und der Mangelernährung, und der vierte Teil über ernährungsassoziierte Erkrankungen ist neben den Grundlagen das umfangreichste Kapitel des Buchs und für den Arzt mit Sicherheit von größtem Interesse. In dem darauf folgenden Abschnitt gehen die Autoren auf die künstliche Ernährung ein. Dann ist ein ganzes Kapitel der Lebensmittelsicherheit und der Qualitätssicherung gewidmet. Und im letzten Kapitel wird es sehr praktisch: Hier geht es um Patientenführung, Organisation, Scores und um alternative Ernährungsweisen.

Wer sich dafür interessiert, dass Weizenkleie mit fast 50 Prozent eines der ballaststoffreichsten Lebensmittel ist und dass von der Mitte der 1960er Jahre bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die tägliche Energiezufuhr in den westlichen Industrienationen um über 600 Kilokalorien gestiegen ist und etwa ein Drittel der weltweit erzeugten Lebensmittel durch Verderb verloren gehen und schon immer wissen wollte, was Novelfood und Functional Food ist, der wird beim Lesen viel Interessantes entdecken. Die insgesamt sieben Kapitel sind vollgepackt mit dem Wissen zahlreicher Experten, die zum Teil auf langjährige Erfahrungen in der Ernährungsmedizin zurückblicken. Und dieses Wissen hat seinen Preis – berechtigterweise. Etwas unerwartet in einem Lehrbuch sind allerdings zum Beispiel ein Patientenfragebogen im Rahmen der Qualitätssicherung einer Reha-Klinik und Abrechnungsfragen für ernährungsmedizinische Leistungen.

Wer sich einem tiefergehenden Studium der physiologischen Grundlagen der Ernährung widmen möchte und verstehen will, welche Rolle die Ernährung bei den einzelnen Krankheiten spielt, kommt um dieses Werk nicht herum. Denn es ist das einzige auf dem Markt erhältliche Buch, das einen umfassenden Überblick über die Ernährungsmedizin gibt, und es hat gute Chancen, zum ernährungsmedizinischen Standardwerk zu avancieren. Das Buch richtet sich vor allem an Ärzte, Ernährungswissenschaftler und an diejenigen, die schon immer verstehen wollten, wie die Ernährung die Gesundheit beeinflusst. Und es ist einfach eine hervorragende Lektüre für Wissbegierige, die Spaß am Schmökern haben.
43. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 43. KW 2011

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