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Feuer, Wasser, Wind und Geo

Thomas Bührke und Roland Wengenmayr bemühen sich in ihrem Buch "Erneuerbare Energie – Alternative Energiekonzepte für die Zukunft" durch die ausgewählten Artikel eine Übersicht über die Entwicklung der erneuerbaren Energien zu geben. Es beschäftigt sich mit der Energiesituation in Deutschland und dem vorhersehbaren Energiedefizit in ein bis zwei Jahrzehnten, das durch den Ausstieg aus der Atomenergie verursacht wird.

Die ersten Ölpreisschocks aus den siebziger Jahren sind überwunden, doch wer erinnert sich nicht an ihre autofreien Sonntage? Ist die Versorgung unserer Gesellschaft mit Strom, Wärme und Treibstoffen aber inzwischen ausreichend gesichert? Die Autoren versuchen diese Frage zu beantworten und prophezeien dem Leser, dass das "...21. Jahrhundert zu jenem von Sonnen-, Wind- und Wasserkraft und eventuell auch der Nutzung der Erdwärme werden wird".

In erstklassigen und leicht lesbaren Artikeln werden Wind-, Wasser- und Sonnenenergie übersichtlich dargestellt. Zu den jeweils kurzen geschichtlichen Bemerkungen kommen sehr gute Übersichten und Zukunftsaussichten der jeweiligen Technologien. Wasserkraft beispielsweise erzeugt nach Zahlen der OECD von 2003 gegenwärtig fast ein Sechstel des weltweit produzierten Stroms! Und die Beschreibung der Sonnenkraftwerke und deren technische Verbesserung während der letzten 15 Jahre versetzt den Leser in Staunen. So hat sich der Wirkungsgrad der Photovoltaik (Solarzellen) durch neue Materialien und Herstellungstechniken von 5 bis 6 (1953) auf mittlerweile 39 Prozent (2005) verbessert. Die Anlagen sind inzwischen langlebig und ausgereift, aber leider noch immer sehr teuer !

Photovoltaik, geothermische sowie Aufwind- und Wellen-Kraftwerke sind in den nächsten Kapiteln sehr gut beschrieben. Welch eine Freude für mich ist es auch über die Grundgesetze der Thermodynamik zu lesen. Eines der letzten Kapitel ist auch der Speicherung von thermischer Energie gewidmet. Auch hier wird noch mit Pilotanlagen gearbeitet, doch sind die Entwicklung und die Prognosen sehr vielversprechend. Erdwärme kann uns ebenfalls wesentlich helfen – nicht nur in vulkanischen Gebieten, doch muss dazu mehrere Kilometer tief gebohrt werden. Nur 0,35 Prozent stammen deshalb heute aus dieser Quelle – es bleiben uns also auch noch exotische Energiequellen für die Zukunft. Mit "Knallgas" und der zukünftigen Verwendung von Brennstoffzellen enden die durchwegs interessant geschriebenen Beiträge.

Der Leser erkennt bald, dass die "klassischen" Energiegewinnungen auf Basis der fossilen Brennstoffe noch weit ins 21.Jahrhundert eine wichtige Rolle spielen. Doch spätestens zur Mitte des Jahrhunderts dürfte der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien die 50-Prozent-Hürde überschreiten.

Mit der Veränderung des Strommixes muss eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz und damit eine Verringerung des Gesamtstromverbrauchs einhergehen. Die dauerhafte Lösung kann jedoch nur im globalen Maßstab geschaffen werden – doch davon sind wir noch weit entfernt! Die Abbildung 7 zeigt denn auch die Anteile der erneuerbaren Energien je Wirtschaftsraum: Nordamerika und Europa bilden tatsächlich das Schlusslicht.

Sehr gut im Text platzierte Internet-Hinweise führen den interessierten Leser dabei weiter. In den Kapiteln wird der Leser mit TWh (Terawattstunden) und PJ (Peta Joules) "belästigt", aber kurz danach wird ihm wieder die Verfügbarkeit und Nutzung von regenerativer Energie in einer Grafik dargestellt – und diese Grafik beruhigt den vielleicht ob der Zahlen nervös gewordenen Leser.

An Verbesserungswünschen kann ich nur vorbringen, dass häufiger auch die Vergleichszahlen anderer Länder (etwa der EU und USA) mit den Zahlen Deutschlands und deren Investitionen in diese "neuen" Industrien auftauchen. Das ist nicht leicht, aber in den OECD Studien sollte dies verfügbar sein.

Die Fotos im Buch sind übrigens ausgezeichnet – es ist den Autoren gelungen, Schönheit und Technik zu vereinen, was besonders auf den Seiten 13 (Offshore-Windpark in Dänemark bei Sonnenuntergang) und 66 (Aufwind-Kraftwerk in Spanien) auffällt. Die sonstigen Illustrationen sind grafisch und farblich sehr gut gestaltet – so manche schwierige Materie wie Wellen und ihre Energie wird dadurch verständlich.

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