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Spannend wie ein Krimi

Wir befinden uns immer noch im Darwin-Jahr. Wie sollte es da anders sein, als dass wir mit Biografien über Charles Darwin und Büchern über seine Evolutiontheorie überhäuft werden? Wie soll man da noch entscheiden und herausfinden, was wirklich lesenswert ist? Ich habe gerade das Buch "Es ist, als ob man einen Mord gesteht – ein Tag im Leben des Charles Darwin" von Matthias Glaubrecht gelesen und auch für den Biologieunterricht verwendet.

In seinem Werk erzählt der Autor Geschichten aus den zwei großen Ereignissen, die Darwins Leben bestimmen sollten: seine abenteuerlichen Weltumsegelung mit der Beagle von 1831 bis 1836 und die sich daran anschließende, fast zwei Jahrzehnte dauernde intellektuelle Auseinandersetzung um seine Erkenntnisse zur Evolution und den damit verbundenen Wandel der Arten durch natürlich Auslese.

In Abschnitten, die immer eine gewisse Zeitspanne umfassen, findet sich der Leser in einer Geschichte wieder, die das Leben Darwins in einer anderen Art und Weise als die bisher bekannten Biographien, beleuchtet. Der Leser erlebt – unterstützt durch einen klaren Schreibstil – hautnah was Darwin beschäftigte, welche Gedanken er hatte, welche Entdeckungen er machte und was ihn bewegte. Der Leser hat stets das Gefühl, er wäre dabei: von der Geburt bis zum Tode Darwins am 19. April 1882 – alle wichtigen Stationen des Lebens der Geistesgröße werden in neun Kapiteln abgehandelt.

Den größten Raum nimmt Darwins fünfjährige Reise mit der "Beagle" ein, auf die der britische Forscher eher zufällig durfte, da er dem damaligen Kapitän Robert Fritz Roy eher unsympathisch war. Ausführlich, aber nie langweilig schildert Glaubrecht die Probleme an Bord und an Land, welche Krankheiten Darwin während der Reise plagten, welche Tiere und Pflanzen er sammelte, wie das soziale Klima auf dem Schiff gewesen sein könnte – und natürlich wie Tag für Tag Darwins Theorie zur Entstehung der Arten um einzelne Puzzelteile ergänzt wurde.

Schon während seiner Reise zweifelt er immer mehr an der Schöpfungsgeschichte. Aber erst 1837, bereits zurück in London, kommt er erstmalig zu der Erkenntnis, dass Arten veränderlich sind und voneinander abstammen. In den Jahren 1837 bis 1842 trägt Darwin alles zusammen, was seine Theorie ausmacht. Aber erst 17 Jahre später, am 24. November 1859, veröffentlicht er sein erstes Buch, "Die Entstehung der Arten", welches bereits am ersten Tag der Veröffentlichung mit 1250 Exemplaren vergriffen ist. Vor diese Veröffentlichung schreibt er in einem Brief an seinen Freund, den Botaniker Joseph Hooker: "Es ist als ob man einen Mord gesteht." Allein mit diesem Satz wird deutlich, mit welchen Ängsten Darwin zu kämpfen hatte, denn ihm war klar, dass er mit seiner Theorie großes Aufsehen erregen würde. Erfreulicherweise vergisst Glaubrecht in diesem Zusammenhang auch Alfred Russel Wallace nicht, der fast zeitgleich mit Darwin die Veränderlichkeit der Arten beschreibt.

Das Ende des Buches bildet ein Epilog, in dem der Autor mit der Aussage "[...] und Darwin hatte doch recht!" Darwin als Newton der Biologie bezeichnet. So wie Kopernikus gesagt hatte, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums ist, so hat Darwin festgestellt, dass der Mensch nicht das Zentrum der Schöpfung darstellt. Darwin wollte aber nicht, dass Menschen ihren Glauben an Gott verlieren: "Lasst einen jeden Menschen hoffen und glauben, was er kann." Glaubrecht hat ein Buch wie ein Krimi geschrieben – so wunderbar zu lesen und dabei noch informativ. Dieser lehrreiche Inhalt wird mittels eines Wegweisers durch die Darwin-Literatur am Ende des Buches noch unterstützt.

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