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Was es beim letzten Abendmahl gab

War die "verbotene Frucht" im Garten Eden wirklich ein Apfel? Was ist der Petrusfisch? Welche symbolische Bedeutung kommt manchen Speisen in der Bibel zu?

Wer Antwort auf diese Fragen sucht, möchte im Buch "Essen und Trinken in biblischer Zeit" kompetente Hilfe erwarten. Und in der Tat wird der Leser schon bald herausfinden können, dass der Apfel vielleicht gar nicht so sündhaft ist, wie man von Kindesbeinen auf lernt, und dass der von Touristengaumen geschätzte Petrusfisch zwar sehr schmackhaft ist, aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Petrus gefischt wurde.

In ihrem Buch versucht sich Miriam Feinberg Vamosh an einem Rundumschlag biblischer Gaumenfreuden. Vom Garten Eden bis zum Garten Gethsemane, von Ägypten über Babylon bis nach Rom, von Brot und Wein bis zu Milch und Honig – nichts, was essbar und mit der Bibel in Zusammenhang zu bringen ist, wird ausgelassen. Nach Lebensmittelgruppen sortiert, werden sowohl Hintergründe als auch Ausformungen biblischer Nahrungskultur beleuchtet. Konsequent beginnt die Reise in die biblische Nahrungsmittelwelt mit der Ernte, setzt sich fort in einer detaillierten Aufschlüsselung verschiedener ex- und implizit in der Bibel genannter Lebensmittel und ihrer Verarbeitung und endet bei Tischgepflogenheiten sowie einer Einführung in Lagerungsverfahren und Zahlungsmittel. Der ägyptische Bierbrauer kommt dabei ebenso zu Wort wie der junge Hirte, der sich mit einem Ledersack voll frischer Milch aufmachte und mit einem Ledersack voll frischem Käse zurückkehrte – das Lab in seinem Transportmittel hatte den Fermentierungsprozess in Gang gesetzt.

Der Leser des Buches gewinnt viele interessante Informationen zum Essen und Trinken in der Antike. Insbesondere die Beschreibung der einzelnen Lebensmittel ist hervorzuheben: Reich illustriert mit Abbildungen findet die schönste Nebensache der Welt innerhalb der Bibel ein greifbares Gesicht. Schade, dass dabei der Bogen ein wenig überspannt wurde: Biblische Esskultur nicht nur hinsichtlich ihrer Beeinflussung von Seiten Ägyptens, Babylons und Roms, sondern auch in ihren theologischen Hintergründen beleuchten zu wollen, ist ein Unterfangen, das in einem Buch von hundert Seiten schwerlich adäquat umzusetzen ist. Angesichts der Vielzahl von möglichen Ansätzen, Essen in der Bibel zu kategorisieren und thematisieren, fällt es zuweilen schwer, dem Buch einen roten Faden abzugewinnen. Geht es wirklich um Essen und Trinken in biblischer Zeit, wie es der Titel des Buches verspricht? Geht es nicht vielleicht eher um eine möglichst vollständige Aufzählung von Essen und Essbarem in der Bibel, wie es die immer wieder auch ohne direkten Sinnzusammenhang eingeworfenen und zuweilen ermüdenden Bibelzitate vermitteln?

Am unwahrscheinlichsten scheint das Ziel des Buches, in einer Darstellung biblischer "Nahrungsmitteltheologie" zu liegen – weswegen die Thematisierung einzelner Elemente des Opferkultes auch besser als Fußnote denn in ihrer Oberflächlichkeit und Undifferenziertheit als leicht fehlplatziertes Element des Haupttextes getaugt hätte.

Getrübt wird der Lesespaß auch durch die zuweilen recht schwerfällige Übersetzung und unklare Handlungsanweisungen bei Rezepturen, die den Sachteil des Buches abschließen: Warum Schellfisch kein Fisch sein soll, wird ebensowenig klar wie so manche Rezeptur, die intuitives Handeln erfordert, weil Handlungsanweisungen unvollständig sind. Mit dieser Intuition allerdings lohnt sich das Vergnügen: Geprüft und für gut befunden – so lautet die einhellige Kritik von Gästen an den erprobten Rezepten, die so authentisch wie dem heutigen Wissensstand nach möglich der biblischen Speisewelt nachempfunden wurden.

So lässt sich im Anschluss an Speis und Trank aus und mit diesem Buch abschließend sagen: ein Bankett interessanter Informationen rund um Essen und Trinken in und um die Bibel mit ausreichend Gelegenheit zum Augen- und Gaumenschmaus, dem – ein wenig überwürzt mit leeren Zitaten und zuweilen ein wenig mager an rotem Faden – ein beherzterer Zugriff bei klaren Entscheidungen innerhalb der Thematik gut zu Gesicht gestanden hätte.

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