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Abschied vom Mittelalter

Welch eine Epoche! Als das Jahrhundert begann, beherrschte nach wie vor das große Abendländische Schisma die Geschicke der Kirche. Selbst sein Ende 1417 konnte die Position des Papstes nicht unmittelbar stärken. Weite Landstriche waren in Folge des schwarzen Tods im Jahrhundert zuvor noch immer dünn besiedelt. Das Heilige Römische Reich litt an der Konkurrenz der dominierenden Adelshäuser – Städte und Provinzen erhoben sich immer wieder gegen ihre Fürsten. Zwischen Frankreich und England tobte weiterhin der Hundertjährige Krieg, der erst 1453 endete. Und ausgerechnet in jenem Jahr schwangen sich die Osmanen mit der Eroberung von Konstantinopel zu einem Protagonisten im Machtgefüge Europas auf, nachdem sie sich am Balkan schon längst festgesetzt hatten.

Gleichzeitig entstand ein neues, das humanistische Denken. Die Traditionen der Antike wurden wieder gepflegt und weiterentwickelt. Künstler suchten nach neuen Wegen der Darstellung. Die Erfindung des Buchdrucks entfesselte eine frühe "Medienrevolution", und am Ende des Jahrhunderts staunte Europa über die Entdeckung eines neuen Kontinents.

Aus epoc 2/2012
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Stoff genug, sollte man meinen, für eine spannende Anthologie über den "Abschied vom Mittelalter". Wir lesen aber etwa, "dass die kontingente Struktur des Seienden mit der notwendigen des Denkens nicht übereinstimmt".

Zu erfahren gibt es gewiss einiges, auch Überraschendes. Selbst so manche Gewissheit wird zurechtgerückt, etwa die vermeintlich so ausgeklügelte Heiratspolitik der Habsburger, die bei ihrem Streben zur Vormachtstellung im Reich mehr dem Glück zu verdanken hatten als ihrer geschickten Hochzeitsplanung. Doch die Sprache der versammelten Autorinnen und Autoren bleibt über weite Strecken im strengen Reglement des Akademischen gefangen.

Die US-Amerikanerin Barbara Tuchman hat vor über 30 Jahren mit ihrem Werk "Der ferne Spiegel" über das "dramatische 14. Jahrhundert" gezeigt, wie fesselnd Geschichtsschreibung sein kann. Davon ist beim vorliegenden Werk kaum etwas zu spüren. Führende Historiker haben ein fundiertes Werk auf der Höhe der aktuellen Forschung geschrieben. Das interessierte Publikum bleibt weit gehend ausgeschlossen.

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  • Quellen
epoc 2/2012

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