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A la Feynman

Sie sind der Klassiker unter den Physikbüchern. "Das sind meine Vorlesungen über Physik, die ich im letzten und vorletzen Jahr für Anfänger und Fortgeschrittene hier am Caltech gehalten habe...." so beginnt das Vorwort von Richard Feynmans dreibändigen "Vorlesungen über Physik". Dabei war er nicht gewohnt, Physik-Anfängern seine Ideen vorzutragen! Und nur einmal hielt er diese Vorlesungen tatsächlich für Studenten im Grundstudium.

Dennoch versammelten sich zweimal wöchentlich die Studenten und der Lehrkörper. Bei diesen Vorlesungen gab es damals leider keinen Kontakt zwischen Dozenten und Studenten, der angezeigt hätte, wie gut die Vorlesungen aufgenommen wurden. Die Co-Autoren Feynmans hatten deshalb in den Übungen die Aufgabe, den Text wenigstens verständlich zu machen. Mit großem Erfolg: Diese Bücher sind der Beweis wie viel Energie Richard Feynman in die Arbeit steckte.

Der Hörsaal war für Richard Feynman ein Theater – und er ein Schauspieler. Er war es, der aus der Vorlesung ein "Drama" machte oder mit einem Feuerwerk an Ideen, Einsichten und neuen Konzepten abschloß. Feynman hielt ohne Zweifel alle seine Studenten in Bann. Zum gesunden Menschenverstand kamen brilliante Erklärungs-Windungen, die perfekt das Wesentliche seiner Argumentation erfassten.

Die Bücher sind das Ergebnis der Band-Aufnahmen Richard Feynmans Vorträgen. Deren praktische Umsetzung war allerdings auch ein Kapitel für sich. Niemand wusste was Feynman sagen würde, bis er vor den Studenten im Hörsaal stand. Der Physiker war deshalb legendär, noch bevor er den Nobelpreis 1965 erhielt. Seine "Vorlesungen über Physik" wurden mittlerweile in zehn Sprachen übersetzt, und er selbst hielt die drei roten Bücher (in der Originalausgabe) als seinen größten Beitrag – dem kann ich nur zustimmen.

Doch nun zum Inhalt selbst: In den letzten vierzig Jahren hat sich unser Verständis der Physik grundsätzlich gewandelt, aber die "Feynman lectures" sind geblieben. Diese Edition hat daher die Errata der vorherigen Auflagen beseitigt, ist aber sonst mit der Originalauflage identisch!

An den Anfang dieser "definitiven Edition" stellte man manche Umfragen der Caltech-Studenten der Jahre 1961 bis 1963. Auch wenn im Laufe der Zeit die Erinnerung schönfärbt, so denken viele gerne an diese Vorlesungen ihrer Bachelor Zeit zurück: "Es war als ginge man in die Kirche" oder "Seine Vorlesungen hatten eine emotionale Wucht" waren nur einige der Kommentare der ehemaligen Schüler.

Die Lesbarkeit der Themen ist einzigartig. "Was ist Zeit?" wird in Band 1auf Seite 58 gefragt: Nachdem über die kürzesten und längsten sinnvollen Zeiten nachgedacht wird – 10-24, der Zeitdauer die das Licht zur Durchquerung des Wasserstoffkerns braucht, und 1018, dem Alter des Weltalls – schließt das Kapitel mit der offene Frage: Existiert Zeit – auch wenn wir sie nicht messen können?" Einige Kapitel später werden die Lorentz-Transformation der 4-dimensionalen Raum-Zeit-Struktur einer zweidimensionalen Rotation gegenübergestellt. Der Rezensent erinnert sich auch gerne an die Maxwell'schen Gleichungen. Die Gesetze der Natur sind zu Eckpfeiler der modernen Wissenschaft geworden.

Galilei schrieb 1610, dass die Mathematik die Sprache der Natur ist und die Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren ihre Charaktere. Dirac erwähnte wiederum 1939, dass der Mathematiker ein Spiel spiele, bei dem er selbst die Regeln erfindet, während der Physiker ein Spiel spiele, bei dem die Regeln von der Natur vorgegeben sind. Aber mit der Zeit wird es immer offensichtlicher, daß die Regeln, die der Mathematiker für interessant hält, dieselben sind wie die, die sich die Natur gewählt hat. Feynman schließlich fasste es 1961 in seiner Frage zusammen: "Helfen uns die physikalischen Gesetze die Natur besser zu verstehen und zu nutzen?" Damit lädt er uns ein hin und wieder zu verweilen und nachzudenken, was sie wirklich bedeuten?

Es ist klar, daß the ‚Feynman lectures' für sich nicht als Lehrbuch dienen können. Es fehlen die Kapitelzusammenfassungen und veranschaulichende Beispiele, Übungen für das Selbststudium und anderes.

"Wenn ich es noch einmal machen würde, so nicht auf die gleiche Art – aber ich hoffe ich muß es nicht noch einmal machen", kommentierte Feynman sein Werk. Für mich ist es eine große Freude, dass nach vierzig Jahren die Vorlesungen noch immer gedruckt, gekauft, gelesen und geschätzt werden! Es ist keine Buchbesprechung geworden, es wurde eine Buchempfehlung: für viele interessante Stunden mit der Physik à la Feynman.
11.01.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 11.01.2008

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