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Verblüffende Tierwelt

Vor mehr als zehn Jahren kam die BBC-Dokumentationsreihe "Planet Erde" heraus, die neue Maßstäbe im Naturfilm setzte. Nun ist die zweite Staffel der Serie erschienen. Ihr Untertitel "Eine Erde – viele Welten" trifft voll und ganz zu, denn auf zwei DVDs erhalten die Zuschauer wunderbare Einblicke in diverse Naturwelten unseres Planeten. 22 Kameramänner haben auf 117 Reisen in 40 Länder das außergewöhnliche Filmmaterial zusammengetragen. Es ist in 6 Episoden gegliedert, die sich den Lebensräumen Inseln, Berge, Dschungel, Wüsten, Grasland und Städte widmen. Auf jede Episode folgt ein Making-of-Tagebuch als zusätzlicher Inhalt. Die Produzenten Mike Gunton und Tom Hugh-Jones möchten mit dieser zweiten Staffel der Doku-Reihe die "ungebrochene Schönheit" der Welt feiern, "aber auch unseren Umgang mit ihr kritisch hinterfragen".

Eindrucksvolle Aufnahmen aus der Tier- und Pflanzenwelt folgen dicht aufeinander. Die Leute von der BBC haben vor allem Jagdszenen, Überlebenstechniken und tierische Tricks eingefangen, die den Film durchweg spannend machen. Mithilfe von modernster Kamera- und Drohnentechnik kommt man Schneeleoparden im Hochgebirge nahe, verfolgt ein springendes Lemuren-Weibchen durch die Wälder Madagaskars, heftet sich an einen fliegenden Steinadler oder ist einem Zwergfaultier-Männchen auf den Fersen, das durch tiefes Wasser schwimmt, dem Lockruf eines Weibchens hinterher.

Fliegerass per pedes

Schneeleopard
Schneeleopard | Möglicherweise gibt es nur noch 3500 frei lebende Schneeleoparden (Panthera uncia) auf der Welt. Sie sind sehr schwer zu filmen und zunehmend bedroht – sowohl vom Klimawandel als auch infolge von Wilderei und Rückgang ihrer Beutetiere.

Neu ist an der zweiten Staffel, dass sie das Leben vieler Tiere aus deren Perspektive darstellt. Als Zuschauer(innen) begleiten wir Wüstenbussarde und Wüstenfledermäuse, die zu Fuß am Boden jagen – teils, weil Kakteen mit langen Stacheln sie daran hindern, die Beute von oben aus der Luft zu ergreifen. Wir suchen mit männlichen Flughühnern und Nebeltrinker-Käfern nach Wasser und lernen dabei ihre verblüffenden Verhaltensweisen kennen. Wir erfahren, wieso Karminspinte (insektenfressende Vögel) so nah wie möglich vor afrikanischen Elefanten herfliegen und weshalb Bisons Schnee schaufeln.

Zwergfaultier
Zwergfaultier | Zwergfaultiere (Bradypus pygmaeus) können gut schwimmen, wie dieses Foto belegt. Auf der winzigen Insel Escudo de Veraguas vor Panama beheimatet, sind sie die kleinste Faultierart und gelten als vom Aussterben bedroht.

Immer wieder bekommt man ungewöhnliche Jagdszenen zu sehen, etwa wenn riesige Flusswelse sich Tauben schnappen oder ein Jaguar einen Brillenkaiman tötet. Auch verborgene Welten erblickt man, beispielsweise die der Araguaia-Delfine, die erst 2014 neu beschrieben wurden und zwischen den Kronen überschwemmter Dschungelbäume umherschwimmen. Dort, weit weg vom Meer, hatte niemand solche Tiere vermutet. Die Kameras haben zudem spektakuläre Naturgewalten aufgezeichnet, darunter einen Sandsturm, der auf den Betrachter zu rast. Eine gewisse Ähnlichkeit damit hat die Szene eines Wüstenheuschrecken-Superschwarms, der sich erst am Boden und dann in der Luft wie ein riesiges Heer fortbewegt und das ganze Land verwüstet. Aber auch sehr unterhaltsame Bilder bereichern die Filme – Grizzlybären etwa, die sich an ihrem persönlichen Lieblingsbaum kratzen, um ihr Winterfell loszuwerden. Ein wahres Vergnügen!

Heuschrecken-Superschwarm
Heuschrecken-Superschwarm | Rette sich, wer kann: Wenn ein Heuschrecken-Superschwarm naht, nehmen die meisten Menschen die Beine in die Hand. Nicht so Kameramann Rob Drewett, der sich den Insekten auf Madagaskar in den Weg stellte. Mit einer gyroskopstabilisierten Kamera fing er spektakuläre Aufnahmen der Tiere ein.

"Planet Erde II" ist eine sehenswerte Doku-Reihe, die die erste Staffel gelungen fortsetzt. Sie besticht mit tollen Tieraufnahmen und großartigen Naturbildern. Quasi hautnah erlebt man, was wildes, ursprüngliches Leben bedeutet. Der Informationsgehalt der erklärenden Texte ist genau richtig: weder zu fachnah noch zu oberflächlich. Die atemberaubenden Bilder, die stimmige Geräuschkulisse und die grandiose Hintergrundmusik ergeben eine überzeugende Komposition, die Naturliebhabern nur zu empfehlen ist.

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