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Die Weisheit der Märkte

Das Buch beginnt mit einem Geständnis: Der provokante Titel "Gemeinsam sind wir blöd" solle lediglich Neugier wecken und sei eigentlich nicht ganz treffend. Tatsächlich will der Autor Fritz B. Simon, Professor für Führung und Organisation an der Universität Witten/Herdecke, dem Leser erklären, wie erfolgreiches Handeln in Organisationen funktioniert. Dies hänge weniger von der Intelligenz und den Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder ab, als vielmehr von der Art und Weise, wie diese kommunizieren – untereinander wie nach außen. Denn auch große Organisationen wie etwa Wirtschaftsunternehmen müssen permanent auf die Kommunikation anderer reagieren: Märkte, Konkurrenzunternehmen oder eigene Mitarbeiter.

Und schon sind wir mitten im Thema des Buchs. Simon versucht eine systemische Betrachtung von Organisationen, Märkten und Managern, das heißt er betrachtet sie als untrennbar miteinander verbundene Akteure, die nur durch eine ihnen eigene Verständigung (Beispiel: Warentransfers) funktionieren können. Von der Rolle der Unternehmensphilosophie über erfolgreiche Mitarbeiterführung und Produktentwicklung bis zur Gestaltung von Veränderungsprozessen spannt er einen weiten Bogen. Manch erfolgreiche Strategie führe, auf andere Fälle angewandt, in die Sackgasse. So sei je nach Unternehmensstruktur mal ein personen- und mal ein sachorientierter Führungsstil hilfreich.

Jedes Unternehmen müsse so flexibel sein wie der Markt, auf dem es agiere. Sinn und Zweck eines Unternehmens liege weder im maximalen Profit noch im Nutzwert der hergestellten Produkte oder der angebotenen Dienstleistungen. Wie in allen Systemen, Organismen und Netzwerken gehe es schlicht ums Überleben.

Durch die Anwendung psychologischer Begriffe wie Intelligenz, Verhalten oder Depression auf Unternehmen und Märkte gibt der Autor viele interessante Einsichten in den Alltag von Führungskräften. Hier muss Simon allerdings aufpassen, dass die häufige Verwendung allzu menschlicher Begriffe nicht dazu führt, Organisationen selbst als Lebewesen zu betrachten – eine Schwäche des Buchs.

Zahlreiche Gedankenexperimente und Anekdoten über bekannte "Familienunternehmen" wie Yahoo oder über Osama bin Laden als prominente Führungspersönlichkeit machen Simons Darstellung sehr unterhaltsam. Nach der Lektüre stellt sich der Leser jedoch die Frage: Was ist daran neu? Es ist nicht die Einsicht, dass Märkte unvorhersehbar seien, ebenso wenig wie die Auflistung der ungeschriebenen Gesetze und Rituale, die Unternehmenspolitik bestimmen. Immerhin führt die konsequente systemische Betrachtungsweise dazu, diese Einsichten auch wirklich zu verstehen: beispielsweise, warum die eigene Rolle als Beobachter eines Marktes diesen auch gleichzeitig immer beeinflusst – gewollt oder ungewollt.

Freilich schadet es nicht, sich manches Bekannte noch einmal vor Augen zu führen. Vor allem Managern und höheren Angestellten in Unternehmen sei dies auch empfohlen.

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  • Quellen
Gehirn&Geist 5/2004

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