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Es grünt so grün

Kennen Sie den "Schmeil-Fitschen" – das Standardwerk eines jeden Biologie-Studenten und Botanikers zur Pflanzenbestimmung? Otto Schmeil (1860-1943) war der Verfasser eines Wälzers zur "Flora von Deutschland", der 2003 in der 92. Auflage erschien, und ihm ist auch das wesentlich handlichere Buch von Rita Lüder gewidmet, das ebenfalls im Traditionsverlag Quelle & Meyer erschienen ist. Es ist gleichermaßen ein Bestimmungsbuch, aber weder langweilig noch für Laien entmutigend wie sein Vorbild, sondern gut illustriert, praxisbezogen und dennoch wissenschaftlich fundiert – ein idealer Begleiter für interessierte Laien, aber auch Botaniker.

Wer hat schließlich nicht schon einmal in freier Natur oder sogar im eigenen Garten ein Blümchen entdeckt, das er nicht einmal halbwegs einordnen, geschweige denn benennen konnte? Damit dies in Zukunft nicht mehr vorkommt, sollte man sich den "Grundkurs Pflanzenbestimmung" anschaffen. Der Biologin Lüder gelingt der Bogenschlag zwischen populärwissenschaftlicher Vorgehensweise (Fotovergleich) und wissenschaftlichem Bestimmungsschlüssel nach der Methodik des Schmeil-Fitschen. Im letzteren Fall steht die Feststellung gemeinsamer Familienmerkmale im Vordergrund, wie sie in (meist schlecht bebildeten und oft schwer verständlich geschriebenen) Fachbüchern betrieben wird. Mithilfe aussagekräftiger Fotos und anderer Illustrationen wird selbst der Ungeübte schrittweise mit der Handhabung des Bestimmungsschlüssels vertraut gemacht.

Die Quintessenz dieser "Praxisanleitung für Anfänger und Fortgeschrittene" befindet sich quasi in den Klappen: Sinnvollerweise sind hier die wichtigsten Elemente der Pflanzensystematik zusammengefasst, die ausführlich im Einführungskapitel zu Systematik und Grundbauplan der Pflanzen erläutert werden. Wer gelernt hat, Ein- und Zweikeimblättrige, Blattformen, Kelch- und Staubblätter auseinander zu halten, kann sich den Zeigerpflanzen zuwenden, geben sie doch Aufschluss über den Standort: Was wächst in welcher Umgebung, auf welchem Boden und unter welchen Bedingungen? Oder andersherum: Was sagen uns ein Ackerschachtelhalm, ein Heidekraut, eine Sumpfdotterblume oder ein Huflattich über den Boden?

Im exzellent bebilderten Bestimmungsteil des Buches, der lästiges Blättern und Suchen unnötig macht, erhält der Leser zunächst einige Hinweise zum Umgang mit dem Bestimmungsschlüssel, zum grundsätzlichen Vorgehen, zu Irrtümern und Fehlerquellen, Abweichungen und Verwechslungsmöglichkeiten. Dann geht es ans Üben, beschränkt auf die 550 häufigsten Blütenpflanzen; Raritäten wurden ausgeklammert. Nach Hauptgruppen – die zweikeimblättrige Pflanzen stellen die größte – werden systematisch Blattstellung, -form und -anordnung, Blütenform, Fruchtknoten, Stängel, Staubblätter und viele andere Elemente gemäß dem "Grundbauplan" analysiert. Schrittweise werden die Möglichkeiten eingekreist, und am Ende erhält die Pflanze einen Namen oder wird zumindest einer Pflanzenfamilie zugewiesen, die dann im nächsten Kapitel erläutert wird.

Die Vorstellung der wichtigsten Pflanzenfamilien – etwa Hahnenfußgewächse, Doldenblütler, Malven- oder Primelgewächse, Nachtschattengewächse und Lippenblütler, aber auch Orchideen und Gräser – macht zwei Drittel des Buches aus. Die charakteristischen Eigenarten der bedeutendsten heimischen Pflanzenfamilien sind beschrieben und mit Diagrammen und Fotos illustriert, ergänzt um Hinweise zur Verwendung der Pflanze, zu Lebensraum, Giftigkeit oder andere Besonderheiten. Ein ausführliches Register mit deutschen und wissenschaftlichen Pflanzennamen schließt dieses makellose und zudem preiswerte Buch ab.

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