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Galaxienbildung verstehen

Der Autor dieses handlichen Buchs aus der Reihe "Astrophysik aktuell" machte es sich zur Aufgabe, die Entstehung der großräumigen Strukturen im Universum, wie Galaxien und Galaxienhaufen, zu erklären. Dies gelingt ihm hervorragend, das Buch ist interessierten Laien, aber auch Astronomiestudenten sehr zu empfehlen. Man merkt, dass der Autor aktiv an der Forschung auf diesem Gebiet mitgewirkt hat.

Nach einem Vorwort des Astrophysikers Harald Lesch beginnt das Buch mit der Beschreibung des bis jetzt bekannten Aufbaus des Kosmos und stellt dabei die verschiedenen Energieanteile wie Baryonen, Dunkle Materie und Dunkle Energie dar. Zudem schildert es den Expansionsverlauf des Universums, die Hintergrundstrahlung und die Morphologie der Galaxien. Danach führt der Autor den Leser von den Quantenfluktuationen kurz nach dem Urknall über die Inflation zu den daraus entstehenden Dichtefluktuationen zur Entstehung von Galaxien. Dabei werden die neuesten theoretischen Erkenntnisse und die Entdeckungen mit Weltraumobservatorien wie COBE, WMAP oder Hubble anschaulich erklärt.

Die einzelnen Abschnitte sind kurz und gut lesbar. Der Autor pflegt größtenteils eine klare Sprache, etwa im Stil dieser Zeitschrift, aber er versucht auch mitunter durch Vergleiche mit dem Alltag das ganze noch etwas aufzulockern. Das gelingt nicht immer, da es teilweise unpassend, wenn nicht gar lächerlich wirkt, zum Beispiel wenn über Balkenspiralen gesagt wird: "Das kann man komisch oder elegant finden", oder der Kommentar zum Startdatum des Weltraumteleskops Hubble: "dem Jahrestag der Hochzeit zwischen Sissi und Kaiser Franz Joseph I." Diese Sprüche hat der Autor nicht nötig und sie sollten daher lieber weggelassen werden!

Positiv hervorzuheben sind die Kästen mit weiterführenden Erklärungen zu einzelnen Themen, wie auch viele Fußmarken mit Erläuterungen. Zahlreiche Grafiken veranschaulichen den Text, und die Bildauswahl ist gelungen. Es findet sich sogar ein Glossar am Schluss des Buchs.

Ich möchte einige kleinere Kritikpunkte erwähnen, die den guten Gesamteindruck nicht schmälern sollen, aber in der nächsten Auflage korrigiert sein sollten:

Der Titel "Kosmologische Strukturbildung" wird wohl viele Interessenten erst einmal abschrecken, da dieser fälschlicherweise auf ein eher trockenes Lehrbuch für fortgeschrittene Studenten hinweist. An verschiedenen Stellen im Buch tauchen verwirrenderweise mehrere leicht unterschiedliche Zahlenwerte für den relativen Materiegehalt im Universum auf. Die Inflation wird oft als wichtige Zugabe zur Entstehung der Dichtefluktuationen erwähnt, es wird aber nirgends erklärt, wodurch sie ausgelöst wurde. Es sollten deshalb wenigstens einige Theorien erwähnt werden, beispielsweise die Symmetriebrechung etc.

Einige Tatsachen werden sehr oft wiederholt, wie unter anderem der Anteil der Dunklen Materie oder der Metalle im Weltall. Zudem entsteht leicht der Eindruck, dass im Hubble Ultra-Deep Field schon Galaxien mit Rotverschiebungen z = 7 bis 11 sicher nachgewiesen wären, dies sind aber nur Kandidaten!

Im Abschnitt "Feedback" im Kapitel zur Galaxienentstehung behauptet der Autor, kosmologische Simulationen liefern im Vergleich zur Beobachtung zu kleine Scheibengalaxien, kurz danach ist zu lesen, die berechneten Galaxien sind um einen Faktor zwei bis drei zu groß.

Insgesamt empfinde ich dieses Werk als ein empfehlenswertes Buch für jeden, der wissen will, wie Galaxien entstanden sind und sich über den aktuellen Stand der Forschung auf dem Gebiet der Kosmologie informieren möchte.

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  • Quellen
Sterne und Weltraum 02/2009

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