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Den Geheimnissen des Lebens auf der Spur

In diesem Buch beleuchtet der Biochemiker Nick Lane die in seinen Augen "verblüffendsten Erfindungen der Evolution", er erklärt, wie diese das Leben auf der Welt veränderten und "wie wir Menschen gelernt haben, diese Geschichte zu lesen". Nach welchen Kriterien er ausgewählt hat, schildert er im Prolog. Demnach müsse die Erfindung entweder das direkte Ergebnis der Evolution durch natürliche Selektion sein sein, oder den eigenen Forschergeist beflügeln. Das trifft seiner Meinung nach auf komplexe Phänomene wie Photosynthese, Fortbewegung, sexuelle Vermehrung, Sehen, Warmblütigkeit und Bewusstsein zu. Insgesamt zehn solcher "Erfindungen" hat er ausgemacht und widmet jeder von ihnen ein 40- bis 50-seitiges Kapitel. Grafiken, Fotos und Zeichnungen, tragen zum Verständnis bei, oft sind sie aber sehr klein und auch nur schwarzweiß.

Lane nähert sich seinen Themen aus naturwissenschaftlicher Perspektive, ergänzt durch Erzählungen aus der wissenschaftlichen Vergangenheit, philosophischen Gedanken und seiner persönlichen Sicht. Wenn wir uns mit dem Rätsel des Lebens auseinandersetzen, müssen wir laut Lane einen großen Bogen spannen "zwischen den unterschiedlichen Wissenschaften – von Geologie und Chemie zum Neuro-Imaging, von der Quantenphysik zur Astronomie". Im Kapitel "DNA – der Code des Lebens" etwa fragt er sich, wie dieses Erbmolekül entstand, und reist zurück ins Jahr 1953, in dem James Watson (geb. 1928) und Francis Crick (1916-2004) verkündeten, sie hätten das Geheimnis des Lebens gelüftet. Der Autor schildert die Erfolgsgeschichte beider Nobelpreisträger, bettet dabei immer wieder biologische Fakten ein und hangelt sich so bis zum heutigen Wissensstand durch, um schließlich ungeklärte Probleme zu diskutieren. Unter anderem fragt Lane nach dem "tiefen Riss" zwischen Bakterien und Archaeen (sie unterscheiden sich hinsichtlich des Mechanismus der DNA-Vervielfältigung) und diskutiert die Behauptung, die DNA-Replikation hätte sich in Archeen und Bakterien unabhängig voneinander entwickelt.

Mit einer enthusiastischen, bildhaften Sprache schafft es Lane oft, seine Leser zu fesseln. Dazwischen präsentiert er aber immer wieder schwer verdauliches Detailwissen, beschreibt etwa komplexe chemische Vorgänge in sehr verdichteter Form. Zwar versucht er auch hier, die geballte Information durch Sprachbilder aufzulockern, doch gelingt ihm das nur eingeschränkt. Etwa, wenn er das so genannte Z-Schema der Photosynthese erläutert: "Ein solch starkes Oxidationsmittel ist eine gefräßige Form des Chlorophylls, das sich durch das Aufsaugen hochenergetischer Photonen vom bescheidenen Dr. Jekyll in einen molekularen Mr. Hyde verwandelte." Fachtermini wie "anthropisches Prinzip", "NADPH", "ATP" und "Aktin" und "Myosin" erklärt der Autor häufig nicht oder nur sehr knapp. Damit macht er es Laien schwer, ihm zu folgen.

Interessant sind die Anekdoten, die Lane über bekannte Wissenschaftler wie James Watson, Francis Crick und Bill Schopf zu berichten weiß. So erzählte Watson einmal, dass er Crick niemals bescheiden erlebt habe, und er selbst sei auch nicht besser. Lane schreibt hier oft in der Ich-Perspektive und lässt sein Publikum damit direkt am Geschehen teilhaben. Seine vielen plötzlichen Gedankensprünge stören allerdings manchmal.

Trotz mancher Schnitzer hält der Autor weitgehend, was er verspricht, indem er interessante Aspekte rund um das Thema Leben aufzeigt. Allerdings sollten seine Leser eine Affinität zu den Naturwissenschaften, entsprechende Vorbildung und Durchhaltevermögen mitbringen. Dann können sie evolutionäre Zusammenhänge in einem fachübergreifenden Kontext erfahren.

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