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Die Chemie des Lebens

Die zweite, aktualisierte und erweiterte Ausgabe des "Lehrbuchs der Biochemie" von Donald Voet, Judith G. Voet und Charlotte W. Pratt ist ein exzellentes Lehr- und Lernbuch – auch wenn es mit seinen 900 Seiten vielleicht nicht so handlich ist, dass man es mal eben so mit in die Vorlesung nehmen kann. Das Werk gliedert sich in sechs große Teile, die insgesamt 28 Kapitel umfassen, ein Glossar, ein Sachregister sowie die Lösungen zu den im Buch enthaltenen Aufgaben zur Selbstkontrolle.

Die ersten beiden Kapitel liefern eine Einführung in das Leben und in die Materie des Wassermoleküls. Im zweiten Teil beschäftigen sich die Autoren dann mit Biomolekülen. Hier geht es um Nukleotide, Nuklein- und Aminosäuren, Proteine, Kohlenhydrate, Lipide und den Membrantransport. Enzyme sowie biochemische Signale sind Inhalte des dritten Teils, eine Einführung in die verschiedenen Stoffwechselprozesse findet sich im Anschluss daran. Auch die Fotosynthese, als einer der lebenswichtigen Prozesse der Erde, ist hier untergebracht. Um die Replikation der DNA und die Proteinbiosynthese geht es schließlich im fünften Abschnitt, und im sechsten folgen schließlich die verschiedenen Anhänge.

Beim Lesen des Buchs stellt man eine gewisse Leichtigkeit in der Sprache und in der Vermittlung von Fachwissen fest. Dadurch wird schon ein wichtiger didaktischer Faktor eingesetzt, denn was sich gut liest, kann man besser behalten. Untermauert wird dies durch eine Vielzahl von Fotos, Bildern und Schemazeichnungen beziehungsweise Übersichtsabbildungen. Didaktisch wertvoll ist auch, dass der Leser am Ende eines jeden Unterkapitels einige Verständnisfragen zum vorangegangen Text findet. So kann eine schnelle und gezielte Lernkontrolle bereits während der Arbeit mit dem Text erfolgen. Auch die vielen Aufgaben am Ende eines jeden Kapitels tragen zur Selbstkontrolle und damit zum besseren Lernerfolg bei.

Besonders gut gefallen haben mir die Exkurse, nicht nur zu verschiedenen Themenbereichen wie beispielsweise den künstlichen Süßstoffen, der Herstellung monoklonaler Antikörper oder der RNA-Welt, sondern auch zu bekannten und herausragenden Wissenschaftlern der Biochemie. Von Rosalyn Yalow, der Dame um die Radioimmunassay, Otto Warbug und seine Untersuchungen des Stoffwechsels oder Arthur Kornberg und die Entdeckung der DNA-Polymerase und natürlich auch Rosalind Franklin und die Entdeckung der Struktur der DNA. Dadurch gewinnt das Buch zusätzlich an Wert, da es aktuelle Beispiele aus dem Alltag ebenso einbaut wie ein wenig wissenschaftliche Geschichte: Es wirkt lebendiger und der Bezug zur Wissenschaft rückt ein wenig näher.

Gut gefallen hat mir auch, dass zu Beginn eines jeden Kapitels auf elektronische Zusatzmaterialien hingewiesen wird: meist englischsprachige, interaktive Übungen, zum Teil auch aus animierten Figuren beziehungsweise Abbildungen, die die Vorstellungskraft ein wenig unterstützen sollen. Weiterhin findet sich unter jeder Abbildungslegende ein Identifikationsschlüssel für jede Molekülstruktur, so dass sich Studenten diese Strukturen aus dem Internet herunterladen können und diese so selbst untersuchen können.

Am Ende eines jeden Kapitels finden sich neben Zusammenfassungen ebenfalls ausführliche Literaturlisten. Sie lassen keine Fragen offen und ermöglichen so eine Vertiefung in weitere Studien. Für mich stellt dieses Lehrbuch eines der besten Werke aus dem Fachgebiet Biochemie dar. Es eignet sich sogar gut als Vertiefung für einen Biologie- oder Chemie-Leistungskurs an der Schule.
52. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 52. KW 2010

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