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Eine gute Melange

Was tun Professoren für Neurowissenschaft, Psychologie und experimentelle Psychologie wenn sie zusammen kommen? Sie schreiben ein Buch über das Lernen und das Gedächtnis – und herausgekommen ist dabei ein geniales Werk.

Eigentlich erwartet man bei solch einer Konstellation aus Neurowissenschaftlern und Psychologen, dass jeder sein Themengebiet für das Beste hält und es keine Berührungspunkte gibt. Aber in "Lernen und Gedächtnis" wird dem Leser gezeigt, dass es auch anders geht. Dem Neurowissenschaftler Gluck und den Psychologen Mercado und Myers gelingt es, in diesem Buch die immer noch vorherrschende Denkweise, Neurowissenschaft und Psychologie hätten nichts miteinander zu tun, zu durchbrechen.

Die letzten Jahre – in der unter anderem die Dekade der Neurowissenschaften ausgerufen war – brachten viele neue Aspekte gerade auf dem Gebiet der Mechanismen unseres Hirns. Diese neurowissenschaftlichen Erkenntnisse haben es den Psychologen erst ermöglicht, die funktionellen und physiologischen Mechanismen mit den Verhaltensprozessen des Lernens und der Ausbildung von Gedächtnis näher zu ergründen. Dadurch konnten endlich viele bislang verschlossenen Wege geöffnet werden.

Erst die Kombination der Neurowissenschaften mit der Psychologie schaffte es, den klinischen Aspekt unter anderen Schwerpunkten zu betrachten und dadurch neue Diagnosen und Behandlungsmethoden zu implizieren. Viele neurologische und psychiatrische Störungen können heute besser verstanden werden. Im Buch werden diese Bereiche, die die klinische Psychologie beleuchten, gesondert mit der Überschrift "Klinische Perspektiven" dargestellt. Hier möchten die Autoren nicht nur die aktuellen Forschungsergebnisse vorstellen, sondern vielmehr die Studierenden ansprechen, für die dieses Buch geschrieben wurde.

Dazu haben sie farbig untermauerte Kästen gewählt: Blaue Kästen beschäftigen sich mit "Ungelösten Rätseln", grüne Kästen mit "Lernen und Gedächtnis im Alltag". Durch die Beleuchtung dieser Forschungsaspekte sollen die Studierenden neugierig werden auf mehr. Ungelöste Rätsel sind unter anderem "Ist das Arbeitsgedächtnis der Schlüssel zur Intelligenz?" oder "Die Behandlung (und Prävention) der Alzheimerkrankheit". In den Kästen "Lernen und Gedächtnis" geht es eher um praktische Aspekte der Forschung. Hier sollen Studenten einen Blick für Fragestellungen wie "Kann eine Pille Ihr Gedächtnis verbessern?", "Tipps für ein besseres Gedächtnis" oder "Was kann ein Kind von einem Teletubby lernen?" bekommen – übrigens eine Frage, auf die ich während meiner Studienzeit gerne eine Antwort gehabt hätte. Diese ungelösten Rätsel sollen zeigen, dass die Forschung einerseits schon viel erreicht hat, aber auch noch viel zu leisten hat.

Das Buch verfügt über insgesamt 13 Kapitel, deren Themen auf mehr als 540 Seiten detailliert vorgestellt werden. Am Ende findet der Leser ein ausführliches Glossar, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und einen Index, der das Suchen nach bestimmten Fachbegriffen im Buch erleichtert. Das erste und das zweite Kapitel befassen sich einerseits mit der Psychologie von Lernen und Gedächtnis, andererseits mit der Neurowissenschaft dieser Aspekte. Die anschließenden Kapitel vertiefen diese Ansätze, indem die Autoren einen Blick auf die Gedächtnisformen werfen sowie auf die vielen Lerntheorien und Lernmöglichkeiten. Jedes Kapitel schließt mit wichtigen Schlüsselbegriffen, einem Konzept-Check und den Antworten eines Selbsttests ab. Den Selbsttest selbst findet man immer zwischendurch, in einem gelben Kasten unterlegt.

Die Autoren verstehen es, durch farbliche Akzente und durch die didaktisch sehr gut aufbereiteten Abbildungen, Diagramme und Fotos das Buch für Studenten -und natürlich alle anderen interessierten Leser – nutzerfreundlich zu gestalten. So sollen Studierende aller Disziplinen erreicht werden. "Lernen und Gedächtnis" ist ein Grundlagenbuch mit einer spannenden Darstellung und vielen bedeutsamen konkreten Alltagsbeispielen zu Lernen und Gedächtnis: ein Muss für jeden Studenten!

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