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Fly, fly away. Die unglaubliche Reise des Christian Moullec

Der Vogelzug ist auch heute noch eines der geheimnisvollsten und beeindruckendsten Phänomene der Tierwelt. Und sogar selbst Teil eines Vogelschwarms zu sein — so etwas wird sicher niemand je wieder vergessen. In seinem Buch „Mit den wilden Gänsen fliegen“ erzählt der Franzose Christian Moullec von seinen Kindheitsträumen und seiner großen Begeisterung für das Fliegen. Das alles verbindet er in einem abenteuerlich anmutenden Naturschutzprojekt zur Rettung und Wiedereinbürgerung der in Skandinavien fast ausgestorbenen Zwerggans (Anser erythropus). Und diese unglaubliche Geschichte lässt er nun jeden Naturbegeisterten mit seinem beeindruckenden Bildband hautnah miterleben.Inspiriert von Konrad Lorenz, prägte der Fotograf und Meteorologe Moullec zusammen mit seiner Frau Paola junge Gänseküken auf sich, die ihm überall hin folgten — auch in die Luft. Dabei machte er es sich zu Nutze, dass Gänse nicht instinktiv ihren Weg finden. Die Flugroute muss ihnen zumindest einmal gezeigt werden.Im September 1999 machte sich nach langen und schwierigen Vorbereitungen eine seltsam anmutende Reisegesellschaft — bestehend aus 30 Zwerggänsen und einem Ultraleichtflugzeug — von Schweden auf in Richtung Süden. Mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 50 km/h und einer Flughöhe von 500 Metern ging es in 37 Tagen zu einem 2000 km entfernten Ziel in Deutschland. Die Reise ins sichere Winterquartier verband Moullec mit der Hoffnung, die nur noch aus 30 bis 50 Brutpaaren bestehende Population der skandinavischen Zwerggans langfristig bewahren zu können.In ihrem neuen Überwinterungsgebiet, der Bislicher Insel unweit von Wesel am Niederrhein, stehen die Zwerggänse unter Schutz. Dort dürfen sie nicht — wie am Kaspischen und Schwarzen Meer noch üblich — bejagt werden. Im darauf folgendem Frühjahr fand tatsächlich über die Hälfte der Gänse allein den Weg nach Südschweden zurück. Der Erfolg gibt Christian Moullec also Recht!Der wunderschöne Bildband besticht vor allem durch eindrucksvolle Fotos aus ungewöhnlichen Perspektiven. Einige der insgesamt 200 Bilder sind inzwischen international preisgekrönt. Der fesselnde Reisebericht enthält auch sehr persönliche Töne. Man merkt sofort, Moullec ist Naturschützer aus Überzeugung. Von seinem glaubhaft dargestellten Engagement für den Schutz der Zugvögel lassen sich hoffentlich viele Menschen begeistern. Das Vorwort zum Buch schrieb Jochen Flasbarth, Präsident des Naturschutzbundes e.V. (NABU).Eine einmalige Aktion kann die Zwerggans natürlich nicht retten. Um das zu erreichen, sollen in den kommenden Jahren jährlich etwa 100 Zwerggänse auf der Bislicher Insel ausgewildert werden. Ein ehrgeiziges Ziel, das nur mit viel Engagement und Unterstützung gelingen wird. Aus diesem Grund wurde ein Förderverein (www.zwerggans.de) gegründet. Denn die nächsten Aktionen sind bereits geplant. Im Herbst 2002 werden fünf Piloten mit ihren Ultraleichtflugzeugen 100 Zwerggänsen ihren Weg nach Deutschland zeigen.

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