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Geheimnisvolle Orte

Dichter Wald umgibt ein Ensemble aus gewaltigen, von Menschenhand ringförmig angeordneten Steinen: Ein Riese soll hier im Everstorfer Forst bei Barendorf schon Brot gebacken und Elfen Mehl gemahlen haben. Aber auch dem Teufel höchst persönlich wurde lange nachgesagt, sein Unwesen zwischen den Steinkreisen getrieben zu haben – so die mythische Erklärung des Ortes. Die naturwissenschaftliche klingt etwas schlichter, aber dennoch spannend: Der idyllische Platz ist eine Anordnung von Hünengräbern und Dolmen – der Ort galt offensichtlich den Menschen der Jungsteinzeit als heilig.

Ähnlich wie im Everstorfer Forst gibt es in Deutschland rund 1000 Naturheiligtümer, die auf die Menschen schon seit Jahrtausenden eine magische Wirkung ausüben. Die 61 eindrucksvollsten hat der Naturfotograf und Autor Olaf Schulz in seinem neuen Buch "Naturheiligtümer in Deutschland" zusammengestellt. Für sein Projekt reiste Schulz durch die ganze Republik. Er besuchte zum Beispiel tief im Süden die berühmte Tassilolinde in Wessobrunn, erkundete die Ruinen der Klosterburg Oybin im Osten und fuhr zur Kirchlinde von Reinberg im äußersten Nordosten der Republik.

Herausgekommen bei dieser Tour ist ein ansehnlicher Bildband, der viele Informationen zu den geheimnisvollen Plätzen bietet. Der Autor erzählt uralte Sagen zu heiligen Quellen, monumentalen Bäumen und geheimnisvollen Seen. Er erklärt, was an diesen Orten bereits die Völker der Steinzeit, später dann auch die Kelten, Römer oder Germanen in den Bann gezogen hat. Dabei bleibt die objektive wissenschaftliche Betrachtung der Heiligtümer jedoch nie auf der Strecke. Stets erfährt der Leser auch die historischen Fakten hinter den Legenden. So erhält sich Olaf Schulz die neutrale Sicht auf die oft noch heute verklärten Orte.

Mit seiner Lektüre weckt der Autor die Reiselust und das Bedürfnis, die eigene Heimat und ihre Kulturgeschichte besser kennenzulernen. Mit seinem Buch hat er ein spannendes Thema aufgegriffen, dessen aufwändige Zusammenstellung und Recherche sehr gelungen ist.

Einen kleinen Minuspunkt bringt dem Bildband allerdings die Kartografie der Naturheiligtümer ein: Die Karte am Ende des Buches beschreibt die Lage der Naturheiligtümer leider nur grob. Und auch die Wegbeschreibungen am Ende eines jeden Beitrags wirken eher ungenau. So dürfte meist noch eine eigene Recherche notwendig sein, um die meist in der Landschaft versteckten Heiligtümer aufzufinden. Doch vielleicht bereichert zumindest in einigen Fällen ein solches Suchspiel die Freude an der Entdeckung der geheimnisumwitterten Orte.

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