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Fibonacci und Spaghetti. Albrecht Beutelspacher weckt den Hunger auf Mathematik

„Was gibt es in der Mathematik noch zu tun? Es ist doch schon alles ausgerechnet, oder?“ Provokante Fragen kennen Mathematiker zur Genüge – und in der Tat ist es nicht trivial, Laien mathematische Arbeitsweisen nahe zu bringen. Meist wird zu diesem Zweck in alte Kisten gegriffen; man tischt Erkenntnisse auf, die schon den alten Griechen bekannt waren. Mit „Pasta all'infinito“ versucht Albrecht Beutelspacher jedoch, Laien anhand von aktuelleren Beispielen zu erklären, was mathematische Forschung eigentlich ausmacht. Und drumherum hat er eine nette Geschichte gerankt.Als junger Wissenschaftler fährt Beutelspacher nach l'Aquila, einem kleinem Städtchen in den Abruzzen, im Herzen Italiens, wo er von frostiger Kälte, menschlicher Wärme, interessanten mathematischen Problemen und der italienischen Forscherkultur erwartet wird. Mangelnde Sprachkenntnisse gegenüber seinen Gastgebern Franco und Luigia – sowohl wissenschaftlich als auch privat ein Paar – erschweren dem Gast zunächst die Kommunikation. Doch da die Mathematik nur einen kleinen Wortschatz erfordert, sind die notwendigen Vokabeln rasch gelernt.In den Unterhaltungen mit den Kindern des Gastgeberpaares werden zunächst auch einige der häufig behandelten Themen erläutert: die Fibonacci-Zahlen etwa, der Wettlauf des Achilles mit der Schildkröte oder die „unendlichen“ Gedichte. Weitaus weniger geläufig und daher spannender sind dann aber Beutelspachers „modernere“ Ausführungen, beispielsweise zu ISBN-Nummern und Codierungsverfahren. Dieses Thema liegt ihm ganz offensichtlich, schließlich ist er selbst im Bereich der Kryptographie tätig und war unter anderem an der Nummerncodierung der neuen Geldscheine in Deutschland beteiligt. Das umfassendste Thema des Buches aber sind die so genannten „blocking sets“. Anhand dieses geometrischen Beispiels wird erläutert, auf welche Weise Mathematiker in ihrer Forschung mit ihrer abstrakten Materie spielen.Um dem Argumentationsstrang folgen zu können, wird dem Leser mitunter einige Geduld abgerungen. Auch die zahlreichen, erklärenden Skizzen ändern daran nur wenig. Im Großen und Ganzen aber ist das Buch sehr leseswert – besonders für diejenigen, die ihre erste mathematische Sachbucherfahrung bereits hinter sich, den Spaß aber noch nicht verloren haben. Darüber hinaus wird ein hübscher Einblick in das mathematische Universitätsleben Italiens geboten.

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