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Eine eu(phos)phorische Biographie

Dieses Buch dürfte wohl die erste Biographie sein, die über ein chemisches Element verfasst wurde. Was zunächst merkwürdig anmutet, macht in Anbetracht der aufregenden und bizarren Historie des Phosphors, die der einer Person um nichts nachsteht, durchaus Sinn. Etwa 300 Jahre ist es her, dass Alchimisten auf der Suche nach Gold Urin aufkonzentrierten und dabei zufällig auf eine seltsam leuchtende Substanz stießen — den Phosphor (griechisch: phos phorus = Lichtbringer). In den darauffolgenden Jahren sollte der Phosphor eine beispiellose Karriere durchleben, sei es als Streichholzkopf, Nervengas, Rattengift, Waschmittelzusatz oder Düngemittel.Wie bei kaum einem anderen Element liegen Segen und Fluch beim Phosphor dicht beieinander. Seine gespenstisches Leuchten und seine leider häufige Anwendung als langsam wirkendes Gift haben ihm den Titel „Element des Teufels“ eingebracht. Emsleys Buch lehrt uns, dass Phosphor, in der Natur nur als ungefährliches Phosphat vorkommend, ein unentbehrlicher Bestandteil unseres Körpers ist. Elementarer Phosphor ist jedoch aufgrund seiner Entflammbarkeit und Toxizität eines der gefährlichsten Elemente überhaupt. Das Wissen um die Bedeutung des Phosphors als limitierender Nährstoff beim Pflanzenwachstum revolutionierte die Landwirtschaft, sein Überangebot führte zeitweise durch die Gewässereutrophierung zum Kollaps dieser empfindlichen Ökosysteme. Seinen traurigen Höhepunkt erlebte die Geschichte des Phosphors im letzten Jahrhundert, als Phosphorbrandbomben Städte wie Hamburg zerstörten, und in den Kriegslaboratorien tödliche Nervengase wie Sarin synthetisiert wurden.Das Buch ist gleichermaßen für Chemiker wie für Laien geeignet und bietet für jeden eine Fülle von Informationen. Anschaulich, lehrreich und ausgesprochen unterhaltsam schildert John Emsley die vielseitige Geschichte des Phosphors und beleuchtet sowohl seine guten als auch seine schlechten „Charaktereigenschaften“. Im Epilog führt er uns vor Augen, dass ein chemischer Stoff an sich niemals gut oder böse oder gar teuflisch sein kann. Es liegt einzig und allein an uns Menschen, diesen Stoff, der uns in die Hände fiel, sinnvoll zu verwenden. Und eben darin offenbart sich zu guter Letzt dann doch noch der Unterschied zwischen einer Person und einer chemischen Substanz...

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