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Stau im Ameisenhügel und Kunst in der Bratpfanne

Bernhard Weingartner organisiert neben seiner Forschungstätigkeit als Ingenieur an der TU Wien Shows auf der Straße: mit einem umgebauten Lastenfahrrad namens "Physikmobil". Wer sein Buch liest, könnte Lust bekommen, das auch einmal zu versuchen – oder zumindest seine Kinder zu Hause oder im Urlaub mit Experimenten zu unterhalten. Dieses Buch nimmt die Leser mit auf eine Reise der besonderen Art. Es lädt sie dazu ein, genau hinzuschauen und dabei allerorts spannende physikalische Phänomene zu entdecken.

Der Schreibstil ist flüssig und gut verständlich; die Erklärungen kommen größtenteils ohne Fachbegriffe aus und sind mit humorvollen Beispielen und Anwendungen gespickt. Wir erfahren, wie eine alte Socke und eine Flasche Wasser einen Kühlschrank ersetzen können: Stecken Sie die zu kühlenden Lebensmittel in die Socke. Stechen Sie je ein kleines Loch in den Deckel und den Boden einer wassergefüllten Plastikflasche und hängen Sie diese kopfüber über die Öffnung der Socke, so dass alle paar Sekunden ein Wassertropfen hineinfällt. Wind und Verdunstungskühlung tun dann das Übrige – das Bier bleibt schön kühl.

Die Erklärungen werden durch liebevoll gezeichnete Comics aufgelockert. Experimente laden zum Ausprobieren ein. Sie sind nicht so zahlreich, wie es der Umschlagtext verspricht, dafür meist ungewöhnlich und dennoch leicht nachzumachen. Nur der "Feuertornado", mit dem man einen meterhohen Wirbel aus brennendem Benzin erzeugt, ist etwas mühsamer herzustellen (und absolut nicht für Kinder geeignet), aber dafür umso eindrucksvoller.

Fünf Reiseziele – Strand, Wüste, schneebedeckte Berge, unberührte Natur und Städte – dienen dem Autor als Aufhänger für verschiedene Physikspiele. So erklärt er im Kapitel "Städtetrip", warum es unter Ameisen keine Staus gibt. Im Gegensatz zu Menschen überholen sich diese Insekten nicht gegenseitig, und sie gleichen ihre Geschwindigkeit dem Vordermann an. Abgesehen davon ziehen Ameisenzusammenstöße keine besonders gravierenden Folgen nach sich.

Im Kapitel "Trekkingtour" geht es um allerlei Naturphänomene, wie Gewitter und die Schwarmintelligenz von Glühwürmchen. Außerdem gibt es eine Anleitung zum Bau eines speziellen Bumerangs. Das Ergebnis (Spektrum der Wissenschaft 8/2001, S. 96) sieht zwar nicht wie ein herkömmlicher Bumerang aus, funktioniert aber gut.

Interessierte werden einige Standardfragen wiedererkennen, wie "Warum ist der Himmel blau?". In einzelnen Fällen wie diesem fällt die physikalische Genauigkeit der Anschaulichkeit zum Opfer. "Rot ist ein langwelliges Licht. Wie ein Riesentorläufer schlängelt es sich zwischen den Staubteilchen durch" vermittelt ein einprägsames, aber nicht ganz richtiges Bild.

Einige Begriffe ziehen sich durch alle Kapitel. So begegnet uns die Selbstorganisation in den unterschiedlichsten Zusammenhängen: Sanddünen, Schneeflocken, Strömungsmuster, Glühwürmchen … (Spektrum der Wissenschaft 2/1994, S. 74). Immer wieder schlägt der Autor thematische Haken zu Experimenten in der Schwerelosigkeit.

Das Buch dringt in ungewöhnliche Bereiche vor, gibt Einblicke in die Arbeit von Forschern und zeigt auch Grenzen des heutigen Wissens auf. Wer hätte gedacht, dass man noch nicht genau weiß, wie Schier über Schnee gleiten, oder dass es sich bei der Herstellung und Funktionsweise von Schiwachs um eine Art Geheimwissenschaft handelt? Bei diesen und anderen Themen würde man sich Quellenangaben zum Weiterlesen wünschen, doch die fehlen leider.

Kurzum: Das Buch eignet sich für Interessierte mit oder ohne Vorkenntnisse, seien es neugierige Jugendliche, Lehrer oder Eltern, die ihren Kindern spannende Phänomene nahebringen wollen.

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  • Quellen
Spektrum der Wissenschaft 1/2011

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