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Grüße vom Mars

Manche Dinge, die vom Mars kommen, sind Furcht erregend. Denken Sie nur an "War of the Worlds" – die Invasion der Marsianer mit dem Ziel die Menschheit auszulöschen. Dann fallen uns bisweilen Marsmeteorite auf den Kopf. Die vorliegenden "Postkarten vom Mars" von Jim Bell sind dagegen harmlos – und überaus ansehnlich. Motive, die man nicht mehr vergisst: schön, fremdartig und vertraut zugleich.

Der Autor ist Leiter des "Panoramic Camera Team" der beiden Marsrover, also zuständig für die Aufnahmen. Als Professor für Astronomie an der Cornell University in Ithaca ist er ein ausgewiesener Experte für die Oberfläche des Mars. Das Buch deckt (in der deutschen Fassung) den Zeitraum von Anfang 2004, als die ersten Bilder entstanden, bis August 2007 ab. Ursprünglich rechnete man mit einer Lebensdauer der Systeme von 90 Tagen – dies wurde zum Glück deutlich überschritten.

Das Buch ist der vorläufige Höhepunkt einer Reihe von Bildbänden über unseren Nachbarplaneten. Der Dank geht zunächst an die europäischen und amerikanischen Marsexpeditionen – sie versorgen uns seit vielen Jahren mit immer neuen Wüstenpanoramen, Sonnenuntergängen, Kraterlandschaften, Schluchten und ausgetrockneten Flussläufen. Aufgenommen vor Ort von Marsmobilen, die nach hartem Aufprall in dünner Atmosphäre ihre Arbeit getan haben. Natürlich steht die Wissenschaft im Vordergrund. Dem Steuerzahler mussten aber auch – völlig zu Recht – schöne Bilder präsentiert werden.

Das Buch wuchert denn auch eindrucksvoll mit dem hochauflösenden Bildmaterial der amerikanischen Missionen Spirit und Opportunity. Höhepunkt sind die vier aufklappbaren Panoramaseiten mit einer Breite von 1,20 Meter! Mit den Rundblicken taucht man in eine faszinierende Welt ein: Noch nie wurde die karge Marslandschaft so plastisch vor Augen geführt.

Das erste Kapitel befasst sich mit der Vorgeschichte der Missionen, von der Planung bis zur Landung auf dem roten Planeten. Kapitel 2 schildert eine Reise von Spirit zum Krater Gusev. Beeindruckend sind die Reifenspuren im Sand, die Morgendämmerung am Marstag 63 und die "Verfinsterung" der Sonne durch die kleinen Monde Phobos und Deimos – der Blick ist also nicht nur zum Boden gerichtet. Anschließend packt Opportunity seine Bilder aus. Sechs Monate nach Spirit gelandet, durchstreifte der Rover die Region Meridiani Planum. Die deutsche Ausgabe enthält als Bonus noch Aufnahmen des Victoria Crater, von Spirit am Kraterrand gemacht. Ein Nachwort, eine Liste weiterführender Quellen und ein Index runden das Werk ab.

Neben den spektakulären Aufnahmen gibt es natürlich auch Text – locker geschrieben und gut ins Deutsche übersetzt. Jim Bell gibt einige amüsante Episoden preis – lassen Sie sich überraschen. Überhaupt ist es kaum adäquat, viele Worte über den Bildband zu verlieren: Sie müssen ihn einfach sehen! Selten hat man so schöne große "Postkarten von Mars" in der Hand gehabt – eine Herausforderung für jeden Briefträger.
18.04.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 18.04.2008

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