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Auf zum Mars, oder?

Der Autor dieses Werks, Jesco von Puttkamer, nimmt eine Sonderstellung unter den deutschen Sachbuchautoren ein, ist er doch seit vielen Jahrzehnten Mitarbeiter der US-Raumfahrtbehörde NASA. Er trat bereits Mitte der 1960er Jahre in den Dienst der NASA, als diese unter der Führung des deutschstämmigen Wernher von Braun unter Volllast an der Verwirklichung des Apollo-Programms, der bemannten Mondlandung, arbeitete. Diese Erfahrungen haben den Autor bis heute geprägt, was sich auch in seinem neuesten Werk zeigt.

"Projekt Mars" gliedert sich in acht Hauptkapitel, die den Bogen von den ersten Marsbeobachtungen in der Frühzeit des Menschen bis hin zu den Projekten einer möglichen bemannten Landung auf dem Roten Planeten spannen. Das Buch ist eine überarbeitete Neuauflage des 1997 im selben Verlag erschienenen Werks "Jahrtausendprojekt Mars". Dabei wurden einige Abschnitte erweitert und aktualisiert, andere einfach übernommen.

Dies gilt insbesondere für die ersten drei, die sich mit der Marsbeobachtung mit dem bloßen Auge, mit dem Fernrohr und den Reisewegen zum Roten Planeten befassen. Besonders letzteres Kapitel ist leider in einer ermüdenden und zäh zu lesenden Weise geschrieben. Es ist zu befürchten, dass viele Leser das Buch gelangweilt weglegen werden. Hier wären gute Grafiken zur Erläuterung der nicht immer anschaulichen Eigenschaften von Transferbahnen nützlich gewesen, die Schwarz-Weiß-Grafiken aus der früheren Auflage sind zu klein reproduziert und wenig übersichtlich.

Im nächsten Kapitel werden wichtige Missionen zum Mars beschreiben, dabei liegt der Schwerpunkt naturgemäß auf US-amerikanischen Raumsonden. Es wurde gegenüber der früheren Auflage erweitert und schließt den Start des Marsrovers Curiosity mit ein, der am 6. August 2012 erfolgreich den Roten Planeten erreichte.

Im darauf folgenden Abschnitt beschäftigt sich der Autor mit der Geologie oder Areologie des Roten Planeten und beschreibt seine grundlegenden Eigenschaften. Hierbei schleichen sich auch sachliche Fehler ein, der Autor verwechselt beispielsweise das Silikatmineral Orthopyroxen, fälschlicherweise hier Orthopyroxon geschrieben, mit einem Gestein. Kurze Zeit später wird behauptet, dass der innere Marsmond Phobos der einzige Mond wäre, der schneller seinen Mutterplaneten umkreist als dieser rotiert. Diese Eigenschaft teilt Phobos aber mit mindestens 16 weiteren Monden im äußeren Sonnensystem, davon allein neun beim Planeten Uranus.

In den letzten drei Kapiteln geht es dann vor allem um bemannte Missionen zum Mars und ihre Bedeutung für die Menschheitsgeschichte. Zunächst stellt von Puttkamer historische Konzepte aus der Zeit von Wernher von Braun vor, der bereits in den 1950er Jahren mit ersten detaillierten Planungen begann. Während der Apollo-Ära ging das Team um von Braun von der ersten bemannten Marslandung im Jahr 1984 aus, woraus bekanntlich nichts wurde.

Seitdem wurden bei der NASA Unmengen an Konzepten für einen bemannten Flug zum Mars entworfen und auch wieder verworfen. Ein Vergleich der Neuauflage mit dem 15 Jahre älteren Vorgänger zeigt, dass sich eigentlich in dieser Zeit nicht viel getan hat und wir einem bemannten Flug zum Mars keinen Schritt näher gerückt sind.

Offenbar will der Autor nicht wahrhaben, dass sich der Stellenwert der bemannten Raumfahrt seit den Tagen von Apollo drastisch reduziert hat und Raumfahrt in der Öffentlichkeit kaum noch diskutiert wird. Zwar nutzt fast jeder Satellitenfernsehen, GPS-Navigationsgeräte und den Satellitenfilm in der Wettervorhersage, ohne sich aber dabei Gedanken zu machen, woher diese Dienste stammen und wie sie erbracht werden.

Dazu hat auch beigetragen, dass seit dem Ende des Apollo-Programms die bemannte Raumfahrt kein eigentliches Ziel mehr hat, und der Betrieb der Internationalen Raumstation in der allgemeinen Öffentlichkeit nur wenig Spannung erzeugt. Zudem stecken die USA seit einigen Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise und die industrielle Basis des Landes bröckelt. Es ist daher fraglich, ob die USA überhaupt noch in der Lage sind, so etwas wie ein neues "Apollo-Projekt", diesmal zum Mars, in die Wege zu leiten. Die derzeitige US-Regierung ist an solchen Planungen jedenfalls herzlich desinteressiert. Ob ein bemannter Flug zum Mars und eine spätere Besiedlung des Roten Planeten eine kulturelle Notwendigkeit ist, muss somit wohl als eine persönliche Ansicht des Autors gewertet werden.

Wer im Besitz der früheren Auflage ist, muss sich "Projekt Mars" nicht zwingend anschaffen. Insgesamt betrachtet, auch im Hinblick auf die oftmals langatmige Sprache und die sehr optimistische Weltsicht des Autors, kann ich dieses Buch nur bedingt empfehlen.

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  • Quellen
Sterne und Weltraum 10/2012

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