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Rosen über Rosen

Rosenbücher gibt es viele, darunter auch einige Lexika, allerdings kaum eines, das derart ausführlich ist wie die Ende 2005 in Deutsch erschienene "Rosen-Enzyklopädie", die 1998 bei Random House mit dem Originaltitel "Botanica´s Roses – The Encyclopedia of Roses" auf den Buchmarkt kam. Umfang, Autoren und Detailgenauigkeit machen das Buch zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk für Rosenliebhaber, Hobby-Gärtner und sogar Fachleute. Wie der Untertitel besagt, werden 4000 Gartenrosen und die wichtigsten Wildrosen von einem Team internationaler Rosenexperten und illustriert.

Auf das Vorwort des "Englische-Rosen-Guru" David Austin folgt auf rund dreißig Seiten eine Einführung in die Welt der Rosen und der Rosenzucht, wobei es dabei gelegentlich zu Überschneidungen kommt. In seiner "Einführung" befasst sich Peter Harkness mit Herkunft und Bedeutung der Rose von den Sumerern, Kleopatra und Plinius der Ältere über das Mittelalter und die Renaissance bis ins 19. Jahrhundert und dem Beginn der gezielten Rosenzucht in England, begünstigt durch sensationelle Neuigkeiten aus China und Japan.

Auch im nächsten Kapitel geht es noch einmal um Ursprünge und die Rolle des Fernen Ostens, vor allem aber um die (stark variable) Klassifizierung der Gattung Rosa. Je nach Land beziehungsweise Rosenvereinigung oder Züchter existiert eine Vielzahl von Einteilungen, die der Autor hier versucht, zu vereinfachen. Er unterscheidet in seiner Tabelle zwischen modernen Rosen (Zwerg/Beet/Strauch/Kletter), Bodendeckerrosen, Alten Rosen (Strauch/Kletter), Wildrosen-Hybriden (Strauch/Kletter) und Wildrosen (verschiedene reine Wildarten) und erläutert anschließend die verschiedenen Gruppen von Wild- sowie Alten Rosen und Modernen Rosen. Neuere Entwicklungen in der Züchtung, den Pflanzenformen und dem Duft sowie berühmte Rosengärten runden das Kapitel ab.

Ken Grapes "Rosenzucht" listet allerdings kaum"züchterische" Aspekte auf: Es geht vor allem um Rosengarten und Gartenplanung, um Standort, Wasser, Boden, Begleitpflanzen, um Auswahl, Kauf und Pflanzung von Rosen, aber auch um Rosenpflege, -krankheiten und -vermehrung. Die Gläubigkeit des Autors an die Wunder der chemischen Industrie treten hierbei jedoch stellenweise allzu deutlich zu Tage.

Doch nun zum rund 600-seitigen, hervorragend bebilderten Lexikonteil: Peter Beales beschreibt zunächst die Wildrosen – etwa Hunds-, Apfel-, Fuchs-, Apotheker- oder Kartoffelrose – ehe es umfassend um die Gartenrosen, meist unter ihrem englischen Synonym, geht. Dabei folgt dem Sorten- oder Artnamen der juristisch maßgebliche Kodename, dann in Kurzform Synonyme, Rosenklasse, Farbklasse und Blühverhalten, eine mehr oder weniger ausführliche Beschreibung und abschließend Klimazone, Züchter und Jahr der Einführung beziehungsweise Registrierung, Elternsorten, Auszeichnungen und Preise.

Leider wird vielfach sogar bei berühmten deutschen Züchtungen wie Gloria Dei, Duftwolke oder Königin der Rosen auf den englischen Namen verwiesen, teils im Lexikonteil selbst, teils nur im Register, was etwas irritiert. Zudem fällt auf, dass relativ alt eingeführte Rosensorten wie Christel von der Post, Roman Herzog, Nostalgie oder die Schöne Dortmunderin, und erst recht neuere deutsche Züchtungen wie die viel gerühmte Lion's Rose (Kordes, 2002) oder Inspiration (Noack, 2003) fehlen.

Englische Züchtungen überwiegen eindeutig, andererseits macht sich aber auch hier bemerkbar, dass neuere Sorten selbst renommierter Züchter wie David Austin wie Benjamin Britten (2001), Falstaff (1999) oder William Shakespeare 2000 – die längst die alte, im Lexikon erfasste William Shakespeare abgelöst hat – nicht aufgenommen sind. Die Aktualität des deutschen Bandes scheint jener der englischen Erstveröffentlichung zu entsprechen.

Im 60-seitigen Anhang gibt es eine tabellarische Kurzübersicht, die man angesichts des alphabetischen Ordnungssystems im Hauptteil und im ausführlichen Register sinnvoller nach anderen Gesichtspunkten (zum Beispiel nach Gruppen, Farben oder Wuchsformen) angeordnet hätte. Es folgen informative "Züchter-Porträts" und ein Verzeichnis fachrelevanter Begriffe. Die folgende Spezialliteratur geht jedoch ebenfalls nicht über das Jahr 1999 hinaus.

Dieses neue Rosenlexikon weist einige Defizite auf, wobei die schlechte Papierqualität angesichts des Preises entschuldigt werden kann. Schwerer wiegt hingegen die Ausrichtung auf ein englischsprachiges Publikum. Und dennoch: Es dürfte das umfassendste Nachschlagewerk auf dem deutschen Markt sein und ist deshalb ein Muss für Rosenfreunde.

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