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Tempel mit Fernwirkung

Seit Jahrhunderten zieht Jerusalems Tempelberg Juden, Christen und Muslime in seinen Bann. Und kein anderer Ort der Menschheitsgeschichte ist so umkämpft, sehen doch alle drei Religionen dort wesentliche Elemente ihrer Geschichte verankert: Der Felsendom kennzeichnet die Stelle, an der Mohammed zum Himmel aufgestiegen sei, auf dem Berg stand nach jüdischem und christlichem Glauben aber auch der Tempel des Königs Salomo.

Archäologisch lässt sich dieser nicht direkt nachweisen, doch zeitgleiche Funde stützen die älteren Beschreibungen der Schrift. Demnach entstand der zentrale Tempel des Judentums vermutlich im 10. Jahrhundert v. Chr. Bei der Eroberung Jerusalems durch babylonische Truppen 587 v. Chr. wurde er vernichtet, nach der Rückkehr des verschleppten Volkes aus Mesopotamien 520 v. Chr. wieder aufgebaut. Um die Zeitenwende ließ König Herodes der Große das Gotteshaus neu gestalten, doch im Zuge des jüdischen Aufstands 70 n. Chr. wurde es von den Römern zerstört. Geblieben ist nur die "Klagemauer".

Diese wechselvolle Geschichte behandeln die Autoren trotz des Titels nur knapp. Zudem beschränken sie sich auf Bibeltexte, die seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. vorliegen, also aus der Spätzeit des Alten Testaments. Der heutige Stand kritischer Exegese wird ausgeblendet, eine Schilderung aus der Frühzeit des Baus fehlt.

Dennoch lohnt die Lektüre. Denn das eigentliche Anliegen der beiden Historiker ist nicht die Geschichte, sondern die Wirkungsgeschichte des Tempels. Auch Experten dürften überrascht sein zu erfahren, dass das Turkvolk der Khasaren nach der Annahme des jüdischen Glaubens um 740 den Jerusalemer Tempel samt Ausstattung nachbaute – in Zeltform. Auch die Tempel der Mormonen folgen offenbar dem großen Vorbild. Und mögen sich christliche Gotteshäuser auch in vielem von jüdischen unterscheiden, Salomos Tempel prägt auch sie. So sollen die Säulen, die den Baldachin der Petruskirche in Rom tragen, an die zwei Säulen vor diesem Gotteshaus erinnern.
  • Quellen
epoc 2/2008

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