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Die Krone der Sonne

Außer bei sehr kühlen roten Riesen besitzen wahrscheinlich alle Sterne Koronen, sehr heiße Außenschichten, die sich anhand ihrer Röntgen- und Radiostrahlung beobachten lassen. Sie stellen einen wesentlichen Teil eines Sterns dar, weil sie seine Wechselwirkung mit dem umgebenden interstellaren Raum bewirken und für die heißen Sternwinde verantwortlich sind. Koronen werden durch magnetische Heizung erzeugt, die von Magnetfeldern vermittelt wird, die ihrerseits durch Gasbewegungen in tieferen Sternschichten erzeugt werden.

Das Buch "The Solar Corona" liefert eine vorzügliche Beschreibung der Korona- Beobachtungen und deren langen Geschichte, hauptsächlich von der einzigen Korona, die sich im Detail beobachten lässt. Dieses Buch wurde von zwei herausragenden Experten im Feld geschrieben, Leon Golub, der Röntgen-Instrumente entwickelte und viele Raketen- und Raumexperimente durchführte, und Jay Pasachoff, einem langjährigen Beobachter der Korona während Sonnenfinsternissen, der vorzügliche Lehrbücher in der Astronomie und Sonnenphysik geschrieben hat.

Nach der Beschreibung der frühen Geschichte der Korona-Beobachtungen und des ungewöhnlichen visuellen Spektrums dieser Schichten, das den Physikern bis zu den 1940er Jahren ein Rätsel blieb, bespricht das Buch den Sonnenzyklus, die Magnetfelder und Radiobeobachtungen. Es erwähnt dann die großen Fortschritte durch die Raketen und Raummissionen vom Einstein-Observatory und Skylab bis zum neuen Satelliten Hinode. Große ungelöste Probleme bestehen noch darin, wie die koronale Veränderlichkeit erzeugt wird, was bei sehr kleinen Strukturen passiert und wie die koronale Heizung entsteht (Rekonnektion und/oder Wellen- Dissipation). Weltraumbeobachtungen ermöglichten es, zu einem viel besseren Verständnis des Ursprungs und Mechanismus des Sonnenwinds und seiner Wechselwirkung mit der Erde zu kommen.

Im letzten Kapitel werden schnelle zeitabhängige Effekten wie Flares, sehr energiereiche Explosionen besprochen. Sie gehen von koronalen Massenauswürfen (Coronal Mass Ejections) aus und werden von einer harten Strahlung und Partikel-Emission begleitet. Diese können ernste Gefahren für die menschlichen Aktivitäten im Weltraum darstellen.

Dieses Buch liefert eine vorzügliche Einführung in das Korona-Phänomen, sowohl für einen Physik- und Astronomiestudenten als auch für einen interessierten Laien mit etwas Hintergrund in Physik und Astronomie. Eine einzige Kritik, die an den Herausgeber, nicht an die Autoren gerichtet ist, besteht in der Frage, warum im 21. Jahrhundert ein solch vorzügliches Buch ohne jegliche Farbbilder veröffentlicht wird.

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  • Quellen
Sterne und Weltraum 3/2010

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